Sport : Das Los Liverpool

Mittels einer Lotterie will Thailands Regierung bei dem Fußballklub einsteigen

Moritz Kleine-Brockhoff[jakarta]

Von wegen. „Am Mittwoch ist alles unter Dach und Fach“, hatte Anfang der Woche Thailands Ministerpräsident Thaksin Shinawatra gesagt. Der Fußballfan will mit 85 Millionen Euro beim britischen Erstligisten Liverpool FC einsteigen und hat schon ein halbes Dutzend Mal gesagt, dass im Prinzip alles geregelt sei. Am Mittwoch kam es so, wie es seit Wochen kommt: Statt Unterschriften nur Beteuerungen aus Bangkok, dass man sich mit den Briten einig sei. „In sechs Wochen haben wir Klarheit“, sagt der Ministerpräsident nun.

Thaksin hat sich ein innovatives Finanzierungs-Modell einfallen lassen. Als er erstmals über eine 30 Prozent-Beteiligung bei Liverpool redete, dachten viele, der Mann wolle sein eigenes Geld hinlegen. Das könnte Thaksin, laut „Forbes Magazin“ ist er Euro-Milliardär, sein Vermögen stammt größtenteils aus Telekommunikationsfirmen. Erst später stellte der 54-Jährige klar, dass er als Regierungschef mit Liverpool spricht. Der Staat Thailand und seine Bürger sollen Mitbesitzer des britischen Klubs werden. Das notwendige Geld werde aus einer „Liverpool-Lotterie“ stammen, die in Thailand mehr als 200 Millionen Euro einbringen könnte. Die Hälfte davon würde in Form von Geldpreisen ausgeschüttet, der Rest für Verwaltung und für die Beteiligung an dem Fußballverein ausgegeben. Wer mit seinem Los keinen Geldpreis gewinnt, hat zumindest das Gefühl, ein Stückchen Liverpool gekauft zu haben. Für die 85 Millionen Euro soll Liverpool helfen, Fußball in Thailand zu fördern. Britische Trainer sollen kommen, Sportschulen entstehen. Und natürlich sollen auch die Profispieler zu Freundschaftsspielen anreisen. Seit 2001, seit Thaksin Ministerpräsident ist, waren Michael Owen und Kollegen schon zwei Mal da. Auch deshalb sind viele Thais Liverpool-Fans.

Natürlich könnte der Thaksin-Plan daran scheitern, dass nicht genügend Lotterietickets verkauft werden. Aber niemand zweifelt daran, dass der Regierungschef dann persönlich den Fehlbetrag lockermacht. Der Mann will in acht Monaten wiedergewählt werden. Gute Fußballnachrichten wären da besser als die unangenehmen Nachrichten über Unruhen im islamischen Süden Thailands.

Warum aber fehlen die Unterschriften? Thailand bietet Geld, Liverpool braucht es. Der Klub hat die Saison als Tabellenvierter beendet, mit 30 Punkten Rückstand auf Meister Arsenal. Gerade wurde Trainer Houllier entlassen, nun wird an einer neuen Mannschaft gebastelt. Und an einem neuen Stadion. Die Arena soll 180 Millionen Euro kosten. Das neue Team muss in ein paar Monaten stehen und dürfte auch nicht billig werden. Für 20 Millionen Euro hat Liverpool bereits Djibril Cisse von Auxerre eingekauft.

Thaksin behauptet, dass Liverpool sein Beteiligungsangebot angenommen habe. Das können sich Beobachter allerdings kaum vorstellen. Der Geschäftsabschluss, so Thaksin, verzögere sich, weil Finanzexperten erst in Liverpool prüfen müssten, ob dort alles seine Ordnung hat. Der Vorstand in Liverpool bestätigte aber nur unkommentiert den Eingang von Thaksins Angebot.

Am liebsten käme die Vereinsführung ohne neuen Partner aus. Im Moment besitzt Liverpool-Chef David Moore 51 Prozent der Anteile. Steigt jemand ein, verliert er die Kontrolle, die seine Familie seit einem halben Jahrhundert hat. Der Gedanke, dass die Thais, die auch zwei Vorstandssitze wollen, in Zukunft beim britischen Traditionsverein mitreden, scheint den Liverpool-Fans nicht zu gefallen: 87 Prozent von ihnen sind dagegen. Die Fans hatten besonders laut gespöttelt, als der russische Ölmilliardär Roman Abramowitsch im vergangenen Jahr Konkurrent Chelsea kaufte.

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