Sport : Das Märchen galoppiert weiter

Altano gewinnt in Hoppegarten.

Ulrich Nickesen

Berlin - Der siebenjährige Wallach Altano muss auf der Marathonstrecke derzeit keine Gegner fürchten. Das bewies der von Andreas Wöhler trainierte Ausnahmegalopper am Pfingstsonntag beim 42. Oleander-Rennen auf der Galopprennbahn in Hoppegarten. Auf der kräftezehrenden Distanz von 3200 Metern setzte sich Altano vor 8800 Zuschauern gegen den überraschend stark laufenden Supersonic Flight und Earl of Tinsdal durch.

Dabei hatte es lange Zeit nach einem Sieg von Earl of Tinsdal ausgesehen, für den sich Jockey Eduardo Pedroza als das vermeintlich bessere Pferd entschieden hatte. Diese Einschätzung spiegelte auch der Rennverlauf wider, denn nach dem Start übernahm der Jockey aus Panama sofort die Spitze, diktierte bis zum Erreichen der Zielgeraden das Tempo und galoppierte scheinbar mühelos einem Start-Ziel-Sieg entgegen, bevor er auf den letzten 200 Metern aufgrund seiner langen Führungsarbeit schwächer wurde und gegen die Überlegenheit seines Trainingsgefährten Altano nichts machen konnte.

Von der Fehleinschätzung seines Konkurrenten profitierte Jockey Jozef Bojko, der – auf die Endspurtqualitäten Altanos vertrauend – lange Zeit sogar auf dem letzten Platz gelegen hatte. Bojkos Vertrauen und Nervenstärke waren gerechtfertigt, denn als er Altano forderte, war das Rennen entschieden, und zwar deutlicher und souveräner, als der Vorsprung von knapp einer Länge im Ziel vermuten ließ. Altano verließ die Bahn nicht nur als zweifacher Sieger des Oleander-Rennens, sondern auch mit neuer Bestzeit über zwei Meilen. Für Ingrid Hornig, die Besitzerin des Siegers, heißt es nun, qualitativ höherwertige Rennen in Europa in Betracht zu ziehen. Eventuell lässt sie ihren Vollblüter sogar in Ascot im Gold Cup in einem Gruppe-I-Rennen starten. Dort gibt es nicht nur wesentlich mehr Geld als die 30 000 Euro Siegprämie im Oleander-Rennen, sondern vor allem eine sportlich unvergleichlich höhere Reputation zu gewinnen.

Unabhängig von dieser Entscheidung haftet der Rennkarriere Altanos etwas Märchenhaftes an, denn er war als junges Rennpferd so schwer erkrankt, dass man seine Aufgabe in Erwägung zog. Nach überstandener Krankheit und langwieriger Rekonvaleszenz hat er erst im späten Alter zu jener Form gefunden, die ihn heute auszeichnet. Ulrich Nickesen

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