Sport : Das Mantra des Meisters

Dortmund redet immer noch nicht vom Titel.

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Von Spiel zu Spiel jubeln. Die Dortmunder haben achtmal in Folge gewonnen. Foto: dpa
Von Spiel zu Spiel jubeln. Die Dortmunder haben achtmal in Folge gewonnen. Foto: dpaFoto: dpa

Die Stimmung war prächtig im Lager von Borussia Dortmund. Wie hätte sie auch sonst sein sollen, angesichts des nicht enden wollenden Höhenflugs? Schon vor Spielbeginn, berichtete Jürgen Klopp mit breitem Grinsen, seien im Mannschaftsbus die Korken geknallt, „wir haben sofort den Schampus rausgeholt und angestoßen“. Das war natürlich ein Scherz, der Trainer war auf die Reaktion auf die nachmittägliche Niederlage des FC Bayern angesprochen worden. Natürlich haben die Dortmunder auch am Samstagabend einzig und allein die Begegnung gegen Mainz in den Fokus genommen.

Ihr Credo des Wir-denken-nur-vonSpiel-zu-Spiel reproduzieren sie wie ein Mantra. Besonders innovativ klingt das nicht, doch was soll’s. Warum sollten sie davon abweichen, wenn es doch so hervorragend klappt? Das 2:1 gegen Mainz war bereits der achte Sieg in Folge, womit die Borussia einen neuen Vereinsrekord aufstellte. 80 720 Besucher im ausverkauften Stadion konnten sich davon überzeugen, dass diese Mannschaft gewillt ist, sich von nichts auf ihrem Weg zur erneuten Deutschen Meisterschaft abbringen zu lassen.

Klopp, sein Trainerteam und die Führungsriege haben in der Mannschaft die Überzeugung verankert, dass Erfolge auf dem Spielfeld errungen werden und nicht außerhalb. Die Erkenntnis ist nicht gerade revolutionär, so wurde Dortmund bereits 2011 Meister, und doch lebt sie in der Bundesliga kein Team so intensiv wie der BVB. „Wir wollen uns nicht auf Ziele festlegen lassen“, sagt Kapitän Roman Weidenfeller. Immerhin räumte der Torhüter ein, die Nachricht der Bayern-Niederlage sei ein „Riesenansporn“ gewesen. Sein Mitspieler Mats Hummels formuliert die gemeinsame Marschroute so: „Die Tugenden sind immer die gleichen: Leidenschaft und Laufbereitschaft.“

Damit sind die Dortmunder weit gekommen, der Titelverteidiger hat seinen Vorsprung auf den mutmaßlich größten Rivalen aus München auf sieben Punkte ausgebaut. An der allgemeinen Herangehensweise verändert sich trotzdem nichts. „Man hat mir schon was von einer Vorentscheidung oder solch einen Mist ins Ohr gesäuselt“, sagte Jürgen Klopp. „Das ist alles Quatsch und Geplänkel. Wir wissen, wie schwer das noch wird, und wollen nur unseren Fußball weiterspielen.“

Gegen Mainz bot die Borussia keinen Fußballzauber, dafür bestach sie mit Wucht und Willen. Diese Attribute sind ebenso mitreißend wie die feine Klinge, die ohne Mario Götze seltener geschwungen wird. Die Art, wie der Tabellenführer seine beiden Treffer durch Jakub Blaszczykowski und Shinji Kagawa erzielte, sagt viel über die ungeheure Kraft, mit der Dortmund seine Gegner an die Wand zu drücken und die Geschicke in seine Richtung zu lenken vermag.

Es passte ins Bild einer gefestigten Einheit, dass der BVB nach dem völlig überraschenden Ausgleich durch Mohamed Zidan sofort zurückschlug. Gerade einmal 170 Sekunden durften sich die Mainzer über das unverhoffte Erfolgserlebnis freuen, dann rückten die Gastgeber die Verhältnisse wieder zurecht. „So eine Reaktion zu zeigen, ist geil“, sagte Klopp.

Das kurzzeitige 1:1 war eine nette Anekdote am Rande. Mohamed Zidan hatte es erzielt – wer sonst. Es war bereits das fünfte Tor im fünften Spiel für den Ägypter, der kurz vor Ende der winterlichen Transferperiode von Dortmund zurück nach Mainz gewechselt war. Für den Fall der Fälle hatte Klopp seinem ehemaligen Schüler eine ausdrückliche Jubelerlaubnis erteilt, doch der verzichtete darauf, aus Respekt vor einem Klub, „den ich immer in meinem Herzen tragen werde“. Erst nach dem Schlusspfiff erfuhr Klopp den Namen des gegnerischen Torschützen, „sonst hätte ich ihm einige passende Worte gesagt“.

Auch diese Volte passte, „wir gewinnen, er schießt sein Tor, das ist doch in Ordnung so“, sagte Klopp. Die Dortmunder eilen im beginnenden Frühling Richtung achtem Titelgewinn. Und nichts deutet derzeit darauf hin, dass sie sich von ihrem Erfolgsweg abbringen lassen. Weder auf dem Rasen noch daneben.

„Es interessiert uns null Komma null, welchen Vorsprung wir haben“, sagt Klopp. „Das ist alles Geplänkel, es dürfen alle sagen, was sie wollen – solange wir denken dürfen, was wir wollen.“

Bevor er seinen Arbeitstag beendete, wurde Blaszczykowski gefragt, ob die Meisterschaft nun ein Thema sei. Da hat der Pole lange gegrübelt und dann – ganz im Sinne der offiziellen Sprachregelung – lächelnd geantwortet: „Wir denken jetzt nur noch an das Spiel in Augsburg.“

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