Sport : Das Missverständnis

Warum Rudi Völler beim AS Rom zurücktrat

Vincenzo Delle Donne[Rom]

Am Tag danach hatte Präsident Franco Sensi bereits alles versucht. Vergebens. Rudi Völler, vor noch gar nicht allzu langer Zeit als Teamchef der deutschen Nationalmannschaft zurückgetreten, will nicht mehr Trainer des AS Rom sein. Nach nur 25 Tagen im Amt. Sensi hatte Völler zwar noch unter vier Augen gesprochen, aber Völler war nicht zu überreden. Nach der blamablen 1:3-Auswärtsniederlage beim AC Bologna hatte Völler am Samstagabend erkannt: „Ich kann nicht so weitermachen.“ Gleichzeitig beteuerte der 44-Jährige: „Ich möchte dem Klubpräsidenten und der Familie Sensi dafür danken, dass sie meinen Rücktritt letztlich angenommen haben.“

Über die Gründe seines Scheitern sagte Völler vage: „Ich bin es gewohnt, die Mannschaft auf meine Art zu führen, was ich auch getan habe, aber gestern Abend musste ich einsehen, dass das hier nicht die richtige Art war.“ Völlers kurzes Intermezzo als Cheftrainer des AS Rom war eine unglaubliche Verkettung von Pannen und Pleiten. Und er musste dem Ganzen hilflos zusehen. Seine Bilanz aus vier Ligaspielen: ein magerer 1:0-Sieg, ein glückliches Unentschieden und zwei blamable Niederlagen. Und das mit einem Kader, der in der Liga angeblich zu den stärksten zählt. Das Champions-League-Debüt gegen Dynamo Kiew wurde zudem abgebrochen, nachdem ein Fan den schwedischen Schiedsrichter Frisk mit einer Münze im Gesicht verletzt hatte.

„Mich trifft eine größere Schuld als ihn“, verteidigte Völler Vereinsmanager Franco Baldini, „schließlich habe ich den Kader zusammengestellt.“ Baldini bewahrte aber Völler davor, hart gegen die Spieler vorzugehen, von denen er enttäuscht war.

Der Hauptgrund für das Scheitern Völlers war wohl die heillos zerstrittene Mannschaft, zu der er keine Bindung fand. Die Mannschaft hatte gegen Bologna in der zweiten Halbzeit eine verdeckte Streikaktion inszeniert. Gegen neun Bologna-Spieler war es der Mannschaft eine Halbzeit lang nicht gelungen, die Niederlage abzuwenden. Gleichwohl zeigte sich Völler nicht nachtragend. „Die gesamte Mannschaft, allen voran Francesco Totti, hat mich gebeten, zu bleiben, aber ich denke, dass mein Rücktritt die beste Lösung ist.“

Ein Beispiel für die fehlende Beziehung zu den Spielern war Antonio Cassano: Von Anfang an versuchte Völler, den hitzköpfigen 24-jährigen Nationalspieler für sich zu gewinnen. Doch dieser meuterte offen gegen Völler. Im ersten Ligaspiel musste er mit Gelb-Rot vom Platz und wurde zudem vom Klub mit einer Strafe belegt. Im dritten und vierten Ligaspiel stellte ihn Völler wieder auf – auf Drängen von Manager Baldini. Jegliche Gesprächsversuche mit Cassano scheiterten dennoch. „Geh nach Hause!“, entfuhr es Völler, als der widerspenstige Cassano Mitte des Monats erneut gegen den Trainer aufmuckte. Völler wollte das verhalten sanktionieren, aber Baldini hielt ihn wieder davon ab.

Unterstützung fand Völler lediglich bei Vincenzo Montella. Der kleine quirlige Stürmer, den Rom bereits aussortiert hatte, erzielte in den ersten zwei Spielen vier Treffer und überspielte so die Schwierigkeiten im Team. Als Totti und Cassano im Angriff wieder einsatzbereit waren, musste Montella jedoch wieder auf der Bank Platz nehmen. In Bologna kam er nicht einmal als Auswechselspieler zum Einsatz.

Als Nachfolger Völlers wird unterdessen der frühere Trainer von Chievo Verona, Luigi Del Neri, gehandelt. Die Mannschaft hat inzwischen jeglichen Kontakt mit der Presse unterbunden. Am Dienstag spielt Roma in der Champions League bei Real Madrid.

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