Sport : Das Mittelfeld greift an

Bastürk und Marcelinho treffen bei Herthas 2:1 in Leverkusen – Gilberto nach Verletzung wieder dabei

Stefan Hermanns[Leverkusen]

Zehn Minuten vor der Pause gab Falko Götz neue Anweisungen. Der Trainer von Hertha BSC ballte die Fäuste und drückte die Brust raus. Die Geste galt Niko Kovac und dessen lascher Körpersprache. Kovac hatte aus 18 Metern auf das Tor von Bayer Leverkusen geschossen, doch nachdem der Ball jenseits des Auffangnetzes zu Boden gegangen war, verfiel Kovac in die typische Verliererhaltung: den Kopf nach unten, die Schultern auf halb acht. So ähnlich sah es zu Ende der ersten Hälfte auch bei seinen Kollegen aus. Die Spieler aus Leverkusen hingegen paradierten stolz wie Sieger über den Platz. Obwohl sie nur 1:0 führten, machten sie den Eindruck, als seien sie unverwundbar. Am Ende aber gewann der Berliner Fußball-Bundesligist 2:1 und feierte den zweiten Auswärtssieg dieser Saison.

„Heute hat sich die Mannschaft aufgerappelt“, sagte Falko Götz. Es war eine Wende, die zur Pause jenseits des Realistischen zu liegen schien. Leverkusen hatte nicht nur geführt, sondern auch die besseren Chancen gehabt. In der dritten Minute stürmte Dimitar Berbatow auf das Berliner Tor zu, er lupfte den Ball über Torhüter Christian Fiedler hinweg, doch Verteidiger Malik Fathi rettete vor der Linie. Bayers bulgarischer Stürmer war vor dem Spiel 860 Minuten ohne Tor gewesen, nach 20 weiteren endete seine missliche Serie. Nahezu unbehelligt konnte Berbatow mit dem Ball durchs Mittelfeld laufen, Dick van Burik griff ihn nicht an, sondern lief im Rückwärtsgang vor ihm her. Kurz vor der Strafraumgrenze schoss Bayers Stürmer, der Ball landete hart neben dem Pfosten im Berliner Tor.

Was dem Bulgaren Berbatow gelang, blieb dem Serben Marko Pantelic auf Seiten der Berliner erneut verwehrt. Herthas Stürmer hat zuletzt etliche gute Chancen vergeben – in Leverkusen musste er weitere Misserfolgserlebnisse verarbeiten. In der zehnten Minute schlug Kevin Boateng eine Flanke in den Leverkusener Strafraum, Clemens Fritz verschätzte sich am Fünfmeterraum, sodass Pantelic frei zum Schuss kam, doch der Serbe lenkte den Ball mit seinem starken rechten Fuß am Tor vorbei.

Gerade angesichts solcher Szenen musste sich Pantelic zuletzt häufiger fragen lassen, warum er in aussichtsreicher Position nicht seinen linken Fuß nutze. Die Antwort gab er kurz vor der Pause. Nach einer Flanke von Yildiray Bastürk verlängerte Marcelinho den Ball mit dem Kopf, Pantelic stand wieder völlig frei am Fünfmeterraum, das Tor war leer, doch der Serbe drückte den Ball über die Latte – mit links. „Ich weiß, was da in Marko vorging“, sagte Trainer Götz. „Er hat zu viel nachgedacht.“

Dass die beiden verpassten Chancen am Ende nicht entscheidend waren, lag daran, dass ein anderer Berliner seine Formkrise vorläufig beendete. Nach knapp einer Stunde leitete Marcelinho einen perfekt vorgetragenen Konter ein. Sein Zuspiel vollendete Bastürk zum 1:1. Vorausgegangen war dem Tor ein Eckball für Leverkusen. Die Situation war bezeichnend für Bayers Spiel in der zweiten Hälfte. Im sicheren Glauben an den Sieg hatten die Leverkusener jede Ordnung aufgegeben und Herthas Spielern allen Raum zum Kombinieren gelassen. „Da ist die spielerische Klasse der Berliner zum Tragen gekommen“, sagte Bayers Trainer Michael Skibbe.

In Leverkusen konnte Falko Götz wieder das erfolgreiche Mittelfeld aus der vergangenen Saison aufbieten: mit Marcelinho, Bastürk und – erstmals nach sieben Wochen Verletzungspause – auch wieder Gilberto. An seiner Seite fand Marcelinho allmählich zu alter Stärke zurück. „In der ersten Hälfte war es noch ein bisschen holprig“, sagte Götz. „In der zweiten hatte Marcelinho einen sehr großen Anteil, dass wir drei Punkte aus Leverkusen mitnehmen.“

Nur sechs Minuten nach dem Ausgleich fiel die Entscheidung, und diesmal traf Marcelinho selbst. „Das Tor bedeutet mir sehr viel“, sagte der Brasilianer, und Mannschaftskapitän Arne Friedrich äußerte die Hoffnung, „dass er jetzt die Kurve kriegt“. Das gilt auch für den Rest der Mannschaft. Bei einer Niederlage hätte Herthas Abstand auf Platz drei und die Champions League bereits zehn Punkte betragen. „Die ersten drei sind schon ein bisschen weiter weg“, sagte Yildiray Bastürk, „aber wenn wir in den beiden letzten Spielen erfolgreich sind, können wir im nächsten Jahr noch einmal angreifen.“

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