Sport : Das Mittelmaß verlangt Respekt

Alba Berlins Basketballer erreichen in Treviso einen sportlichen Tiefpunkt, glauben aber immer noch an ein Weiterkommen in der Euroleague

Benedikt Voigt

Berlin. Als Emir Mutapcic mit dem Taxi vom Flughafen Tegel nach Hause fuhr, hatte der Trainer von Alba Berlin den schlimmsten Teil der Reise längst hinter sich. Die Flüge von und nach Venedig waren nicht das Problem, auch nicht der Bustransfer ins Hotel nach Treviso. Nur die knapp 100 Minuten am Donnerstagabend im Palaverde, im grünen Palast von Benetton Treviso, die hatten es in sich. Emir Mutapcic sagt: „Das war unser schlechtestes Spiel in der Europaliga.“

Es war der sportliche Tiefpunkt der bisherigen Saison, und das, obwohl Alba Berlin bei den sechs Niederlagen in Serie im Dezember oder der Pleite zu Beginn der Saison gegen Efes Istanbul schon einige Rückschläge erleben musste. Nie aber waren die Berliner so chancenlos gewesen wie beim 81:107 in Treviso. „Treviso spielte auf einem Niveau, da können wir nicht mithalten“, sagte Vizepräsident Marco Baldi. Nach drei Vierteln lag Alba 53:84 zurück und musste befürchten, die höchste Niederlage in der Europaliga zu kassieren. Im Vorjahr war das dem Klub in Treviso bereits passiert, als Alba mit 29 Punkten Differenz verloren hatte. Diesmal rettete das letzte Viertel (26:23), als Treviso mit neuen Spielerformationen experimentierte.

Trainer Emir Mutapcic sagt: „Wir hatten alle einen schlechten Tag.“ Die Niederlage machte deutlich, wie groß gegenwärtig der Abstand zu einer europäischen Spitzenmannschaft ist. Mit drei Siegen und sieben Niederlagen rutschte Alba aufgrund des schlechteren Korbverhältnisses in der Gruppe A hinter Pau-Orthez auf Rang sieben. Das Erreichen der Zwischenrunde wird immer unwahrscheinlicher. Die Berliner sind gegenwärtig in Europa wie schon in der vergangenen Saison nur Mittelmaß. Doch gegen diese Klassifizierung wehrt sich Trainer Mutapcic. „Wir zählen zu den 24 besten Mannschaften Europas, das ist die Realität.“ Das Wort Mittelmaß empfindet er als Beleidigung. „Wir arbeiten hart, dafür muss man uns schon Respekt geben.“ Und wenn man Alba mit Spitzenvereinen wie Barcelona oder Treviso vergleichen wolle, müsse man auch die Etats der Klubs vergleichen. Oder die Verletzten

Immerhin konnte Marko Pesic wieder spielen, der mit 25 Punkten und einer Wurfquote von 85 Prozent bester Spieler war. Centerspieler Jovo Stanojevic aber kam nur auf acht Punkte. Nachdem er von Dennis Marconato im ersten Viertel geblockt worden war, war das Spiel für ihn gelaufen. Die Verteidigung war Alba Berlins größter Schwachpunkt. „Benetton hat acht Spieler, die von außen werfen können, und wir haben ihnen von Anfang an offene Würfe gegeben“, sagt der Coach.

National ist sein Klub, der seit 1997 ununterbrochen Deutscher Meister wird, zweifellos das Maß nach dem sich alle anderen Vereine richten müssen. „Ohne Alba gibt es keine deutschen Erfolge im Basketball“, sagt Emir Mutapcic. Von den zwölf Nationalspielern, die bei der WM das deutsche Trikot trugen, spielten zehn irgendwann einmal für Alba Berlin. „Was hat Bonn für den deutschen Basketball getan?“, fragt Mutapcic. International aber bleiben die Erfolge für Alba in den letzten Jahren aus. Als im Jahr 2001 noch zwei konkurrierende Europaligen existierten, schafften es die Berliner immerhin bis ins Viertelfinale der Suproleague. Die vergangene Saison war mit nur drei Siegen in der Euroleague international eine Pleite. Und in dieser Spielzeit?

„Ich wehre mich dagegen, eine Zwischenbilanz zu ziehen“, sagt Marco Baldi. Klar ist, dass Alba die Zwischenrunde aus eigener Kraft nicht erreichen kann. Trotzdem sagt Mutapcic: „Wir haben noch eine Chance.“ Alba spielt noch gegen AEK Athen (Heimspiel), Cibona Zabreb (auswärts), Pau-Orthez (auswärts) und FC Barcelona (Heimspiel). In der Hinrunde hatte Alba drei dieser Gegner bezwungen, und selbst ein Heimsieg am letzten Spieltag gegen Barcelona scheint nicht unmöglich. Zumal der Favorit bereits wie Treviso und ZSKA Moskau für die Zwischenrunde qualifiziert ist. „Wir müssen in Zagreb gewinnen“, erklärt Mutapcic, „dann reichen vielleicht auch drei Siege aus vier Spielen.“ Dann hätten viele wieder mehr Respekt vor Alba. Auch international.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben