Sport : Das Nationalspieler-Syndrom

Nach Michael Hartmann kämpft auch Marko Rehmer um seinen Stammplatz bei Hertha BSC

André Görke

Berlin. Würde es nur nach der Qualität eines Haarschnitts gehen, wären Malik Fathi und Sofian Chahed von Hertha BSC auf dem besten Wege zu Popstars der Fußballbranche. Fathi hat sich Rastalocken verpassen lassen und sieht jetzt ein bisschen aus wie Bayerns Zé Roberto, während Chahed dem Trend schon etwas hinterherläuft, mit einer Irokesen-Frisur, wie sie bei David Beckham einmal zu sehen war.

Wie bieder wirkt da das aktuelle Bild des Nationalspielers Marko Rehmer. Als der Fußball-Bundesligist Hertha BSC vor zwei Wochen noch tiefer als heute im Abstiegskampf steckte, nämlich auf dem letzten Tabellenplatz lag, meldete sich Rehmer vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart mit einer Migräne krank. Als diese überwunden war, fiel er eine Woche später in Freiburg wegen eines Magen-Darm-Infekts erneut aus.

Mittlerweile geht es nicht nur Rehmer besser, sondern auch seinem Berliner Arbeitgeber. Hertha BSC hat die beiden vergangenen Bundesligaspiele gewinnen können und liegt nun vor dem Heimspiel am Sonntag gegen Eintracht Frankfurt (17.30 Uhr, Olympiastadion) auf dem 15. Tabellenplatz. Der würde am Saisonende zum Verbleib in der Bundesliga reichen.

Daran haben die beiden Abwehrtalente einen nicht ganz unwichtigen Anteil. Malik Fathi hat auf der linken Seite Michael Hartmann verdrängt, Sofian Chahed hat Rehmer auf der rechten Seite recht gut vertreten. Rehmer ist zwar gesund, und trotzdem droht ihm am Sonntag zu Beginn des Spiels ein Platz auf der Ersatzbank.

„Nationalspieler von einem Talent verdrängt“, sagt Rehmer und schlägt damit sarkastisch „eine dieser tollen Geschichten“ vor. Der 31-Jährige mag diese Diskussion nicht, „weil ich weiß, was da wieder für ein Bild in der Öffentlichkeit rüberkommen wird“. Sein Bild ist nicht das von Rastalocken oder Irokesen-Haarschnitt, bei Rehmer gehe es um das Bild des jammernden Nationalspielers, der mit dem Druck im Abstiegskampf Probleme habe. „Ich werde in der Öffentlichkeit nicht fair behandelt“, sagt Rehmer. „Diese Krankheitsgeschichten, diese ständigen Fragen nach der Migräne – das kommt immer nur bei mir.“

In der Tat gab es in den vergangenen Wochen selten sportliche Argumente, wenn von Marko Rehmer die Rede war. Viel mehr ging es um seine Psyche. So ein bisschen ähnelt die Situation der von Michael Hartmann, der mal zur Nationalmannschaft gehörte, aber zurzeit auf der linken Seite gegen Malik Fathi wenig Chancen hat. Rehmer konnte erst in den vergangenen Tagen voll mittrainieren. Bei ihm gibt es Argumente, die für einen Einsatz sprechen. Aber auch manche, die dagegen sprechen.

In der vergangenen Woche kam es auffällig häufig vor, dass Herthas Trainer Hans Meyer den jungen Sofian Chahed ausdrücklich vor der gesamten Mannschaft lobte. Auch Rehmer räumt ein, „dass Sofian seine Arbeit gegen Stuttgart und Freiburg wirklich gut gemacht hat. Aber deshalb muss ich doch nicht gleich meinen Stammplatz verloren haben“.

Für Rehmer spricht vor diesem 21. Spieltag vor allem der Gegner. Eintracht Frankfurt wird in Berlin nicht allzu offensiv spielen und Herthas Defensive gewiss nicht 90 Minuten lang über Gebühr belasten. Die Berliner werden also aufrücken müssen, und da liegt der Vorteil von Rehmer. Ins Aufbauspiel hat Chahed sich bislang nur selten eingeschaltet. Und wenn die Frankfurter doch mal angreifen, werden sie es mit Kontern versuchen. Da braucht Hertha schnelle Spieler. Zum Beispiel Marko Rehmer.

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