Sport : Das neue Berlin

Alba geht in die neue Saison der Basketball-Bundesliga mit einer verstärkten Mannschaft – doch die muss sich erst noch finden

Benedikt Voigt

Berlin. Eigentlich hatte Henrik Rödl für heute Abend, 20 Uhr, einen guten Plan. „Erst bringe ich die Kinder ins Bett“, sagt der ehemalige Mannschaftskapitän von Alba Berlin, „dann werde ich die Kiste anmachen.“ Der zweite Programmpunkt erweist sich jedoch als unerwartet schwierig. Im Fernsehen kann er vielleicht das Fußballspiel zwischen der Türkei und England betrachten, nicht aber das, was er eigentlich sehen will: Basketball. „Oh, ich habe den Tag verwechselt“, sagt Rödl, als ihm das Fernsehprogramm erläutert wird. Auch weiß der Basketball-Nationalspieler noch nicht, dass das DSF erst am kommenden Freitag in die Basketball-Übertragungen einsteigen wird. Rödl, der momentan Rehabilitationsmaßnahmen macht, sagt entschuldigend: „Ich bin momentan zu sehr mit mir selber beschäftigt.“

Zum ersten Mal seit zehn Jahren startet Alba Berlin heute ohne Henrik Rödl in eine neue Bundesligasaison. Es ist eine neue Alba-Mannschaft, die heute (20 Uhr) in Gießen antritt, zumal in Jörg Lütcke eine weitere Berliner Identifikationsfigur fehlen wird. Weil Alba Berlin seinen Ersatzmann der vergangenen Saison, Vladimir Petrovic, verpflichtete, wechselte der verletzungsanfällige Flügelspieler zu Rheinenergie Köln. Zwei Neue muss Trainer Emir Mutapcic ins Team integrieren: John Best und Szymon Szewczyk. Am wichtigsten aber sieht Mutapcic die Aufgabe an, sein Team erfolgshungrig zu machen. „Wenn wir zufrieden sind, bekommen wir ein Problem.“

Natürlich strebt Alba auch in diesem Jahr den Meistertitel an. „Wie immer“, sagt Mutapcic. Es wäre der achte in Folge, womit der junge Berliner Verein endgültig Bayer Leverkusen überholt hätte, das in den Neunzigerjahren auf sieben Titel kam. Auch der Pokal, in dem Alba im Viertelfinale gegen den Sieger aus Bremerhaven gegen Quakenbrück startet, soll, wenn es nach den Spielern von Alba Berlin geht, wieder an sie überreicht werden. „Wir versuchen nicht mehr diese Probleme der letzten Saison zu haben“, sagt Flügelspieler Marko Pesic, „wir wollen nicht wieder sieben oder acht Spiele in der Bundesliga verlieren.“ Eine Niederlagenserie im Dezember und Januar hatte in der vergangenen Saison Unruhe im Umfeld gebracht. Dann aber holte Alba das Double.

„Vom Potenzial her ist die jetzige Mannschaft besser als letzte Saison“, sagt Marko Pesic. Der Pole Szymon Szewczyk ist im Sommer von den Minnesota Timberwolves gedraftet worden. Sein Dreijahresvertrag bei Alba enthält Ausstiegsklauseln, falls ihn der NBA-Klub vorzeitig holen will. „Bei Szymon Szewczyk ist in den letzten zwei Jahren viel passiert“, sagt Pesic, „er muss sich hier erstmal einleben.“ Und John Best war in den letzten Jahren einer der besten Spieler der Bundesliga. „Er verhält sich vorbildlich“, sagt Pesic, „er gibt immer 150 Prozent.“ Doch wie der dritte Platz bei der Basketball Trophy in der vergangenen Woche zeigt, muss sich die Mannschaft auf dem Spielfeld erst noch finden. Und von Verletzungen verschont bleiben.

In Guido Grünheid fällt bereits ein Spieler monatelang mit einem Kreuzbandriss aus, auf den Alba einige Hoffnungen gesetzt hat. Nun wird noch ein neuer Spieler gesucht. Ansonsten plagt sich Aufbauspieler Mithat Demirel immer noch mit Knieschmerzen, dürfte heute aber zum Einsatz kommen. Auch Szymon Szewczyk, DeJuan Collins und Jovo Stanojevic sind nicht fit. Deshalb sind die Berliner auch froh, dass die Europaliga nicht wie in den früheren Jahren bereits im Oktober startet. „Wir haben noch einen Monat bis zum ersten Europaligaspiel“, sagt Mutapcic, „es gibt uns genug Zeit, uns zu verbessern.“ Folglich dienen die ersten Bundesligaspiele seinem Team zum Einspielen.

Irgendwann könnte sogar Rödl wieder zur Mannschaft stoßen. „Ich sehe wieder Licht am Ende des Tunnels“, sagt der 33-Jährige, „ich arbeite dafür, dass ich wieder spielen kann.“ Die Gedanken an ein Karriereende haben sich erstmal erledigt. Wann er zurückkommt, kann er nicht sagen. Dann muss auch geklärt werden, ob sich ein Platz für ihn bei Alba findet. Momentan hilft Rödl seinem Team so: „Ich wünsche viel Glück.“

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