Sport : Das neue Erfolgstandem: Zabel und Fagnini

Hartmut Scherzer

Zabelissimo regiert die Classicissima. Italienische Superlative vereinen Erik Zabel und Mailand-San Remo wie einen Herrscher und sein Reich. "Zabel Signor Sanremo" titelte die "Gazzetta dello Sport" und erhob den deutschen Radstar in den Rang Franz Beckenbauers: "Il Kaiser". Die französischen Nachbarn (die Zeitung Nice-Matin) huldigten ihm als König: "Zabel, roi de la Riviera". Zum dritten Mal in vier Jahren - 1999 war er Zweiter - wirbelten die Beine Erik Zabels nach 294 langen Kilometern und gut sieben Stunden im Sattel wieder am schnellsten über die Via Roma. Mit "lange Rede, kurzer Sinn" brachte der 29-jährige Radstar des Teams Telekom seine Frühlingsgefühle bei der 91. "Primavera", wie der erste Klassiker der Saison genannt wird, zum Ausdruck: "Ein Riesenerlebnis. So einen Tag werde ich mein Leben lang nicht vergessen."

Seit Eddy Merckx (sieben Siege) hat kein Radprofi über die Jahre die Fahrt in den Frühling derart dominiert. Mit seiner grandiosen Serie hat sich der Berliner mit Wohnsitz Unna nunmehr unter den ganz Großen des Radsports verewigt. "Zabel drei Mal wie Coppi", erinnerte der "Corriere dello Sport" an den legendären Campionissimo. Der Sprint, angezogen von Gian-Matteo Fagnini, war perfekt. "Da haben wir eine tolle Nummer abgezogen", freute sich Erik Zabel über das taktische Meisterstück des Tandems. "Als ich 400 Meter vor dem Ziel Erik am Hinterrad hatte, wusste ich, dass wir gewinnen", sagte Fagnini, der vor den letzten 150 Metern die Bahn frei machte für Zabels unwiderstehlichen Siegestritt. Der Italiener Fabio Baldato und Spaniens favorisierter Weltmeister Oscar Freire hatten keine Chance. Eine Radlänge trennten Zweiten und Dritten vom Ersten.

Im Pulk der folgenden vierzig Fahrer - er wurde zeitgleich 29. - stieß Fagnini wie ein Sieger die Faust in den Himmel. Italien hatte seinen Anteil am deutschen Sieg in der Classicissimi. "Natürlich ist es ein kleines Opfer", räumte der Edelhelfer, im letzten Jahr noch in Diensten Mario Cipollinis, ein. "Aber das ist meine Arbeit. Dafür bin ich da, und es macht mir auch Spaß. Ich freue mich für Erik." Der Italiener schränkte lächelnd ein: "Natürlich nicht so, als wenn ich selbst gewonnen hätte." Erik Zabel wusste, wem er zu danken hatte. Er legte den Arm um "Fango", wie er ihn nennt. Schulter an Schulter radelten sie zurück zum Siegerpodest, bahnten sich den Weg durch das Rudel der Kameraleute, Fotografen und Reporter.

Später stand Verteidigungsminister Rudolf Scharping, der im Auto des Renndirektors Carmine Castellano vor dem Peloton gefahren war, an seiner Seite, als Erik Zabel den riesigen Silberpott küsste und ins Trikot des Spitzenreiters im Weltpokal schlüpfte. "Unglaublich, super", stammelte der prominenteste Telekom-Fan. Trotz der langen Distanz waren die letzten Steigungen beim Finale, die Cipressa (25 km) und der Poggio (8 km vor dem Ziel) wiederum kein Hindernis für den Sprinter Zabel. Sein prächtiges Team holte alle Ausreißer zurück.

An der letzten Steigung mit dreißig Kurven und vier Spitzkehren taten dann die Teams mit Sprintern alles, das Feld für einen Massenspurt zusammenzuhalten. Seit Zabel fällt am Hausberg von San Remo keine Entscheidung mehr. Es kommt stets zum Massensprint, und der Deutsche hat von den schnellen Männern die frischesten Beine. Auch dank seines Teams. Bis auf Alberto Elli fuhren alle Zabel-Helfer durch, also auch Rolf Aldag und Jan Schaffrath. Jeder hatte seinen Anteil am Triumph Zabels. "Der Silberpokal ist so riesengroß", sagte Erik Zabel, "dass man ihn in acht Teile zersägen müsste."

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