Sport : „Das neue Image ist ein Standortfaktor“

WM-Planer Rollmann über Gewinn und Verlust

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Herr Rollmann, was bleibt von der WM?

Die Tatsache, dass man sich an 2006 positiv erinnern wird. Das Jahr wird für immer mit der WM verbunden bleiben.

Was hat Deutschland davon?

Ein positives, entkrampftes Selbstbild, einen Schub Selbstvertrauen. Ein aufpoliertes Image, das international ein harter Standortfaktor und wichtig für die Investorenansprache ist. Und den Ruf, ein exzellentes Gastgeberland zu sein.

Dass die Deutschen organisieren können, wusste man aber schon.

Dafür wussten viele nicht, dass wir serviceorientiert und gastfreundlich sein können und durchaus Humor haben.

Humor für sechs Wochen …

… die das Bild im Ausland maßgeblich beeinflusst haben. 90 Prozent der ausländischen WM-Gäste wollen wiederkommen. In England hat jemand geschrieben: „Jetzt ist der Krieg wirklich vorbei.“ Gibt es ein besseres Kompliment?

Was bleibt außer Komplimenten?

Eine verbesserte Infrastruktur, von der Sport und Bevölkerung noch Jahrzehnte profitieren werden: Berlins Hauptbahnhof, die neuen Stadien, ausgebaute Autobahnen. Und es gibt nachweisbare ökonomische Impulse, vor allem durch die zwei Millionen ausländischen Gäste. Der Einzelhandel spricht von zwei Milliarden zusätzlichen Einnahmen.

Wie viele Arbeitsplätze sind entstanden?

Zur WM waren es 50 000. Nun müssen Tourismus- und Standortwerber den Effekt nutzen.

Wie viel hat die WM eigentlich den deutschen Steuerzahler gekostet?

Die Bundesregierung hat 250 Millionen Euro für die Stadien in Berlin und Leipzig zur Verfügung gestellt. Es gab auch Extraaktionen im Rahmen unseres Gastgeberkonzepts: zehn Millionen Euro für die Initiative „Land der Ideen“, drei Millionen für unsere Servicekampagne und schließlich 23 Millionen für das Kulturprogramm.

Aber es gab auch Steuervergünstigungen für den Fußball-Weltverband Fifa.

Tja, sonst hätten wir uns nicht bewerben können. Wenn man in ein Geschäft geht, um sich etwas Schönes zu gönnen, bezahlt man auch dafür. Die WM ist nicht geholt worden, um das Bruttoinlandsprodukt zu verdoppeln und die Arbeitslosigkeit zu halbieren. Sie wurde als Sportereignis mit Begleitchancen akquiriert. Die Investition hat sich gelohnt.

Warum gibt es keine finanzielle Gesamtbilanz des Staates?

Weil es keinen Einmalbetrag gegeben hat, der von Bund und Ländern für die WM zur Verfügung gestellt wurde. Man hat viele Töpfe von vielen Institutionen genutzt und versucht, Synergieeffekte zu erzeugen. Infrastrukturprojekte wurden vorgezogen und sind deshalb nicht als WM-Ausgabe etatisiert. Außerdem steht in Frage, ob man alle Personalkosten des Staates mitrechnet. Das macht man ja auch nicht, wenn Polizisten zum Bundesligaspiel Hertha gegen Bielefeld abgestellt werden.

Was machen Sie jetzt?

Mein zeitlich befristeter Arbeitsvertrag endet am 31. Dezember. Danach werde ich wieder in meinem angestammten Beruf als Journalist arbeiten. Aber sollte es im politischen Bereich wieder eine spannende Aufgabe geben – gerne.

Wird Ihnen die Weltmeisterschaft fehlen?

Manchmal vermisse ich das fröhliche Straßenbild des Sommers. In Berlin sind ja viele Baustellen wieder aufgerissen worden. Aber das ist normal. Irgendwann ist auch der schönste Kindergeburtstag vorbei.

Das Gespräch führte Robert Ide.

Jürgen Rollmann, 40, ist noch bis zum Jahresende Beauftragter der Bundesregierung für die Fußball-WM. Der einstige Profifußballer war in den neunziger Jahren Chef der Spielergewerkschaft.

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