Sport : Das Nichts

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Wolfram Eilenberger hält es

ohne Fußball nicht mehr aus

Jeden Wintertag wird es größer, das Sinnloch in unserem Leben. Noch vor wenigen Wochen war er da. Kontinuierlich, verlässlich, jeden Tag neu, ein wahrer Freund. Rund, frei heraus, fein anzuschauen, künstlerisch, gepflegt, voller Überraschungen und seltsamster Einfälle. Wir waren erfüllt. Aber jetzt. Nichts. Gar nichts. Bis zum 31. Januar bleibt die Leere. Es ist kaum auszuhalten. Sinnlos schalten wir den Fernseher ein. Nichts außer Wiederholungen von Spielen, die wir schon auswendig kennen, und dennoch wieder anschauen. Wir werden nochmals Champions-League-Sieger, kämpfen uns erneut ins WM-Finale. Und spüren doch genau – das ist es nicht.

Wo die Worte einst nur so sprudelten, versandet uns jedes Gespräch im Nichts. Beim Bäcker herrscht trostloses Schweigen, der Zeitungsmann reicht uns stumm das Blatt. Wir durchstöbern es verzweifelt nach Neuem, wahren Ereignissen, Inseln des Fußballsinns. Doch da steht einfach nichts. Profis, die gerade nichts zu tun haben, nutzen diese Leere und platzieren nichtswürdige Geschichten.

Stefan Effenberg, lesen wir mit leeren Augen, strebt eine Karriere als Talentscout in Thailand an – für Jungfußballer. Ailton fordert nachdrücklich einen Platz in der brasilianischen Nationalmannschaft, obwohl er und wir ganz genau wissen, dass daraus nichts mehr wird. Hitzfeld rechnet mit Toppmöller über nicht vorhandene Solidarität ab, und Manager Uli Hoeneß will in Geldfragen auch weiterhin nichts dem Zufall überlassen. Der Transfermarkt ruht derweil still und starr. Keine Bewegung, nirgendwo. Nur Hertha regt sich und verpflichtet ein dänisches Talent für die linke Seite und natürlich Trainer Hans Meyer. Na ja, ob das noch gegen den drohenden Abstieg hilft?

Nichts gegen die Vierschanzentournee, wo selbst Hanni es derzeit zu spüren bekommt, das Nichts unter seinen Flügeln. Immerhin, seit gestern trainieren die Fußball-Profis wieder. Schon bald werden sie deshalb live aus Mallorca und Las Palmas übertragen, erste Turniere, in denen es um nichts geht. Wir können es kaum erwarten. Und wenn es dann, in vier ewig langen Wochen, von denen wir noch nicht wissen, wie wir sie überstehen sollen, wieder richtig zur Sache geht, geschieht das Wunder von Neuem.

Wir starren und staunen für 90 ewige Minuten, in denen so gut wie nichts passiert. Es sei denn, es fiele doch mal ein Tor. Wie aus heiterem Himmel, wie aus dem Nichts.

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