Sport : „Das Niveau ist eher bescheiden“ Klaus Toppmöller über Herthas Gegner Tiflis

-

Herr Toppmöller, Sie sind seit Anfang des Jahres Nationaltrainer in Georgien, wie stark schätzen Sie den FC Ameri Tiflis ein, den morgigen Gegner von Hertha BSC in der Uefa-Cup-Qualifikation?

Hertha BSC ist in dieser Begegnung natürlich der absolute Topfavorit. Gegen FC Ameri Tiflis können sich die Berliner nur selbst ein Bein stellen. Für die Georgier ist es bereits ein Riesenerfolg, überhaupt in die zweite Qualifikationsrunde eingezogen zu sein.

Aber die Mannschaft ist doch immerhin amtierender georgischer Pokalsieger.

Richtig, das Finale habe ich auch live in Tiflis gesehen. Doch das Niveau des Pokalwettbewerbs und der georgischen Liga ist eher bescheiden.

Wie hat Ameri denn die erste Qualifikationsrunde überstanden?

Da hatten sie ein bisschen Losglück. Sie mussten gegen den FC Banants Eriwan aus Armenien antreten. Das ist ungefähr die gleiche Kragenweite. Das Hinspiel ging zu Hause zwar 0:1 verloren, aber in Eriwan konnte sich Ameri dann mit 2:1 durchsetzen.

Spielt ein Spieler von Ameri bei Ihnen in der Nationalmannschaft?

Nein, in der A-Nationalmannschaft spielen ausschließlich Spieler, die bei Vereinen im übrigen Europa unter Vertrag stehen. Die meisten davon in Russland oder der Ukraine. Aber in der georgischen U19, mit der ich kürzlich im Trainingslager war, gibt es einen auffälligen Spieler vom FC Ameri: Rati Zinamdsgwrischwili. Das ist sogar deren auffälligster Spieler. Rati kann mal ein sehr guter Stürmer werden. Aber der wird sicher auch bald ins Ausland gehen, weil man in Georgien kein Geld verdienen kann.

Wie ist es um die Zukunft des georgischen Fußballs bestellt?

Es gibt eine ganze Reihe junger, technisch gut ausgebildeter Spieler. Nur im Zusammenspiel und im taktischen Bereich haben sie erheblichen Nachholbedarf. Gegenwärtig wird in Tiflis das Dynamo-Stadion renoviert. Es ist beeindruckend, mit wie wenig technischem Equipment dort gearbeitet wird. Bis zum ersten Spiel in der EM-Qualifikation gegen Frankreich am 2. September soll es dann auch fertig sein.

Die Fragen stellte Til Knipper.

Klaus Toppmöller (54) ist der Nationaltrainer Georgiens. Als Spieler bestritt er 204 Bundesliga- und 3 Länderspiele. Als Trainer war er unter anderem für Bochum, Leverkusen und den HSV tätig.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben