Sport : Das Pech des Schnellsten

Formel-1-Pilot Sebastian Vettel hat Probleme am Wagen und schafft es beim Großen Preis der Türkei trotzdem auf Startplatz drei

Karin Sturm[Istanbul]
Brüchiger Flitzer.
Brüchiger Flitzer.Foto: dpa

Er hätte mal wieder alles in Grund und Boden fahren können. Sebastian Vettel hatte im Qualifying ein weiteres Mal eine starke Leistung abgeliefert, alles sah nach der Poleposition für den heutigen Großen Preis der Türkei aus (14 Uhr, live auf Sky und RTL), dann aber blockierte das linke Vorderrad seines Wagens. Und Vettel musste im letzten Durchgang des Qualifyings zusehen, wie sein schärfster WM-Rivale und Teamkollege Mark Webber sich zum vierten Mal in dieser Saison Startposition Nummer eins sicherte. Auch McLaren-Pilot Lewis Hamilton überflügelte Vettel noch, so dass der 22-Jährige das siebte Rennen des Jahres am Sonntag nur vom dritten Platz angehen kann. „Es ist ein wenig frustrierend“, sagte Vettel.

Am Samstagmorgen war Vettel noch eindeutig der Schnellste gewesen. Im Schlussabschnitt der ersten Runde des Qualifyings aber blockierte eines seiner Räder. „Jammerschade, denn bis zu dem Zeitpunkt war er um eine halbe Sekunde vorn“, sagte Red-Bull-Sportkoordinator Helmut Marko. Erst habe Vettel gedacht, er habe sich selbst verbremst. „aber als er dann mit dem zweiten Satz Reifen raus ist, haben wir gemerkt, dass etwas kaputt sein muss“, sagte Marko. „Er wäre hier wirklich wieder in einer anderen Liga gefahren. Aber irgendwann muss diese Pechsträhne doch mal aufhören.“ Vettel gab sich im Hinblick auf den Sonntag trotzdem optimistisch: „Das Rennen ist lang, mal sehen, was ich da noch machen kann.“

Tatsache ist: Die Red-Bull-Wagen sind auch in Istanbul durch ihre extrem hohen Kurvengeschwindigkeiten deutlich überlegen. Sie konnten es sich sogar leisten, den im Training erstmals eingesetzten „F-Schacht“, ein aerodynamische System, wieder auszubauen, weil es noch nicht zuverlässig funktioniert. Mit dem F-Schacht kann der Pilot während der Fahrt die durch einen Einlass am vorderen Teil des Autos strömende Luft gezielt zum Heckflügel lenken und dadurch den Abtrieb erhöhen oder verringern. Auf der Geraden soll der F-Schacht dank des niedrigeren Abtriebs ein Plus von bis zu zehn Stundenkilometern bringen. Doch der Red Bull gilt auch ohne das von McLaren entwickelte Konstrukt als schnellstes Auto im Feld.

Ein psychologisch wichtiger Erfolg gelang Michael Schumacher. Der Rekordweltmeister und Rückkehrer positionierte sich in seinem stärker werdenden Mercedes als Fünfter zum zweiten Mal in dieser Saison vor seinem Teamkollegen Nico Rosberg, der Sechster wurde. „Michael hat eine astreine Leistung hingelegt“, sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. „Auf den dritten Startplatz fehlt Michael eine Zehntelsekunde, und Nico fehlen zwei.“ Schumacher lässt sich vom internen Konkurrenzkampf mit Rosberg motivieren: „Das ist ein gutes Duell, denke ich. Ich muss halt das Beste herausholen, dann kann ich ihn schlagen.“ Der 41-Jährige hatte es als Zehnter des zweiten Qualifikations-Abschnitts gerade noch in den Durchgang um die Pole Position geschafft. Auch Rosberg war zufrieden: „Wir haben einen Schritt nach vorn gemacht. Aber wir müssen noch weiter hart arbeiten.“

Die anderen drei deutschen Fahrer verpassten den Sprung unter die Top Ten. Adrian Sutil wurde im Force India Elfter, Nico Hülkenberg im Williams 17. Für Timo Glock war das Ausscheidungsfahren im unterlegenen Virgin schon nach dem ersten Durchgang beendet.

Für Ferrari geriet die Qualifikation beinahe zum Desaster – und das vor dem 800. Grand Prix der Scuderia. Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso aus Spanien wurde nur Zwölfter und konnte erst gar nicht in den Kampf um die Poleposition eingreifen. Der Brasilianer Felipe Massa hielt den Schaden als Achter in Grenzen.

Der Mann der Stunde ist eben Mark Webber. Zwei Grand-Prix-Siege hintereinander und die dritte Poleposition in Folge haben den Australier zum Favoriten auf den WM-Titel werden lassen. Vor dem siebten von 19 Rennen liegt Webber mit 78 Punkten an erster Stelle der Wertung. Vettel ist punktgleich Zweiter, hat aber erst einen Grand Prix in dieser Saison gewonnen.mit dpa

0 Kommentare

Neuester Kommentar