Sport : Das Pech des Tüchtigen

Zwei Stürze, fünf Defekte: Rasmussen verliert Platz drei an Ullrich – Armstrong gewinnt das Zeitfahren

Hartmut Scherzer[St. Etienne]

Mickael Rasmussen lächelte gequält. Dabei bekam er doch das Trikot eines Siegers übergestreift, das gepunktete Trikot des bei der Tour de France Führenden in der Bergwertung. Dass sich der Däne über diese Siegerehrung nach dem Zeitfahren am vorletzten Tag der Frankreich-Rundfahrt nicht freute, hatte gute Gründe. Zum einen steht er schon als Sieger der Bergwertung fest, und zum anderen erlebte er gestern auf der Straße eine verheerende Niederlage: Zwei Stürze und fünf Defekte am Fahrrad lagen hinter ihm, als er 7:47 Minuten nach Tagessieger Lance Armstrong das Ziel erreichte. Rasmussen war der Verlierer des Tages – und Jan Ullrich der Gewinner. Als Etappenzweiter fuhr der Deutsche auf den dritten Rang der Gesamtwertung vor, während Rasmussen auf Rang sieben zurückfiel.

Für Jan Ullrich war es gestern ein besonderer Tag bei der Tour. An der Position des souverän führenden Lance Armstrong und am zweiten Platz von Ivan Basso war für den deutschen Profi vom T-Mobile-Team kaum noch etwas zu rütteln auf der 55,5 Kilometer langen Fahrt rund um St. Etienne. Ullrich interessierte sich vor allem für Rasmussen: Der Fahrer vom Team Rabobank lag vor der Etappe 2:12 Minuten vor ihm. Doch der Kampf um Platz drei sollte für Jan Ullrich einfacher werden als erwartet, denn der Däne hatte mehr mit Nerven und Material zu kämpfen als mit Ullrich. Rasmussen stürzte schon früh. Dann wollte sein Fahrrad nicht so wie er. Nach 22 Kilometern hatte Ullrich seinen Rückstand bereits aufgeholt. Immer wieder musste Rasmussen anhalten, mehrfach wechselte er sein Rennrad. Dann stürzte der entnervte Däne ein weiteres Mal und hatte Glück, dass er sich beim Flug in den Graben keine größeren Blessuren zuzog.

Ivan Basso war hingegen zunächst als schnellster Fahrer unterwegs. Bei der ersten Zeitmessung nach 17 Kilometern lag der Italiener sogar sieben Sekunden vor Armstrong. Ullrich lag an dieser Marke auf Rang drei, mit 17 Sekunden Rückstand auf Basso. Bei der zweiten Zeitmessung, nach 40,2 Kilometern, änderte sich aber etwas daran: Ullrich lag nun 46 Sekunden vor dem Profi vom CSC-Team, dessen Vorsprung auf Ullrich in der Gesamtwertung allerdings mit 3:12 Minuten zu deutlich war, als dass sich Ullrich noch Hoffnungen auf den zweiten Rang im Gesamtklassement hätte machen dürfen.

Derweil wurde die Fahrt für Rasmussen immer unerfreulicher. Der nach ihm gestartete Basso hatte den Dänen bereits überholt, und schließlich fuhr auch noch der sechs Minuten später als Rasmussen gestartete Armstrong an ihm vorbei. Wie so oft in seiner Karriere wurde der US-Amerikaner auf den letzten Kilometern immer schneller und fuhr schließlich souverän zu seinem ersten Etappensieg bei dieser Tour – zumindest als einzelner Fahrer. Zuvor hatte Armstrong nur beim Mannschaftszeitfahren einen Tagessieg errungen. Der gestrige Erfolg war der 22. Etappensieg des Amerikaners in der Geschichte der Tour.

„Es ist ein Traum“, sagte Armstrong im Ziel. „Ich wollte unbedingt gewinnen. „Wenn ich nur Zweiter geworden wäre, hätte ich mich geärgert.“ Freuen durfte sich der Amerikaner danach auch auf die heutige Triumphfahrt nach Paris, wo er seinen siebten und letzten Toursieg feiern wird.

Auch Jan Ullrich zeigte sich im Ziel damit zufrieden, dass er es doch noch auf das Podium geschafft hat. „Das ist für mich eine große Freude, dass ich es heute trotz meiner zwei Stürze vor und während der Tour noch auf den dritten Platz geschafft habe“, sagte Ullrich.

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