Sport : Das Pferd, das sie nach Pitt nannten

Brad de Veluwe ist inzwischen der beste junge Hengst auf den Trabrennbahnen der Welt – am Wochenende tritt er in Hamburg an.

Heiko Lingk
Großes Kino. Brad de Veluwe gewann das wichtigste Trabrennen der Welt. Foto: Heiko Lingk
Großes Kino. Brad de Veluwe gewann das wichtigste Trabrennen der Welt. Foto: Heiko Lingk

Hamburg - Besucher, die zum ersten Mal auf eine Trabrennbahn kommen, sind beim Blick auf die Liste der startenden Pferde oft verwundert. Denn dort entdeckt man ungewöhnliche Namen wie „Hemingway Mo“, „Mona Lisa As“ oder „Live and Let Die“. Bezeichnungen also, die auf den ersten Blick überhaupt nicht nach Rennpferden klingen. Dahinter stecken die unterschiedlichsten Gründe: Manchmal verrät der Name die Herkunft des Pferdes oder seine Abstammung und manchmal tauft der Züchter den vierbeinigen Nachwuchs einfach nur nach seinem Lieblingssong oder einem Kinofilm. Beim finnischen Rennstallbesitzer Lars Ingman war es ähnlich: Als im April 2008 ein Fohlen auf die Welt kam, entsann er sich des Schauspielers Brad Pitt und gab dem kleinen Hengst den Namen „Brad de Veluwe“.

Was Lars Ingman damals noch nicht ahnen konnte: Das, was nun mit seinem Pferd geschah, entwickelte sich tatsächlich zu ganz großem Kino. Denn aus dem schmächtigen und unscheinbaren Fohlen wurde innerhalb von kurzer Zeit das beste junge Trabrennpferd der Welt. Ein Pferd, das bisher noch nicht annähernd an seine Grenzen gestoßen ist und das Publikum auf den Rennbahnen verzückt wie kein anderes. Mit seinem finnischen Trainer Tuomas Korvenoja im Sulky stürmte Brad de Veluwe bisher bei 20 seiner 23 Starts vor allen anderen Pferden über die Ziellinie und strich mit diesen Erfolgen 879 300 Euro Preisgeld ein. Keiner ist schneller als der mittlerweile vier Jahre alte Hengst, der im Juli im schwedischen Halmstad bei der Sprintermeisterschaft zu einer Weltrekordzeit lief.

Am Sonntag geht Brad de Veluwe in Hamburg an den Start – beim wichtigsten internationalen Rennen der Republik, dem mit 200 000 Euro Preisgeld dotierten Großen Preis von Deutschland. Denn während das alljährlich in Berlin ausgetragene Derby ausschließlich für einheimische Pferde bestimmt ist, messen sich beim Großen Preis die besten Traber aus ganz Europa. Was die Gegner von Brad de Veluwe in Hamburg erwartet, lässt sich schon jetzt anhand seines jüngsten Auftritts erahnen: Vor drei Wochen bezwang der Hengst alle Konkurrenten beim Grand Prix de l’Uet in Gelsenkirchen und verdiente sich die 400 000 Euro Preisgeld. Er ließ den anderen Pferden vom Start bis ins Ziel nicht den Hauch einer Chance.

Gründe für die Dominanz des Hengstes gibt es einige. Etwa die optimale Vorbereitung durch seinen Trainer Korvenoja, der im Sulky ebenfalls Weltklasse verkörpert und den Großen Preis von Deutschland schon einmal, nämlich im Jahr 1999 mit dem Hengst Cosmic Ride, gewinnen konnte. Der 58-jährige Finne gilt als akribischer Planer, der die einzelnen Karriereschritte seiner Pferde schon lange vorher festlegt und sich nur selten in seiner Einschätzung täuscht. Doch wenn man Korvenoja fragt, was seinen Traber Brad de Veluwe so besonders macht, dann gibt er eine verblüffend einfache Antwort: „Das Ass meines Pferdes ist seine Psyche. Es ist wie bei uns Menschen: Um Höchstleistungen zu bringen, ist die innere Ruhe das Maß aller Dinge. Brad ist stets ausgeglichen und gutgelaunt.“ Und der Finne ergänzt mit einem breiten Schmunzeln: „Brad ist sogar sehr musikalisch und hört am liebsten den Vögeln auf seiner Koppel beim Singen zu.“ Heiko Lingk

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