Das Präsidium stellt sich : Hertha im Dialog: Ein bisschen Frieden

Bei "Hertha im Dialog" versöhnt der Klub die Mitglieder und klärt Personalien. Gerhard Tremmel soll in der kommenden Saison demnach nicht im Berliner Tor stehen und Arne Friedrich könnte doch noch gehalten werden.

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Berlin - Die Zukunft hat an diesem Abend nur einen Kurzauftritt. Nach fünf Minuten verlässt sie mit festem Schritt und von Applaus begleitet die Bühne. "Mein Name ist Markus Babbel" hat die Zukunft gleich zu Beginn gesagt. Die Mitglieder von Hertha BSC lachen, was schon mal ein gutes Zeichen ist. Denn der Berliner Fußballklub, Absteiger in die Zweite Liga, hat in der vergangenen Saison wenig zu lachen gehabt. Babbel soll das ändern. Er wird den Klub ab Juli trainieren, arbeitet gerade mit Manager Michael Preetz an der Detailplanung für den neuen Kader – und bekommt an diesem Abend die Gelegenheit, sich schon einmal den Mitgliedern vorzustellen.

"Hertha im Dialog" heißt die Veranstaltung im ICC, bei der sich die Geschäftsführung und das Präsidium des Klubs den Fragen der Mitglieder stellen. Es ist eine besondere Maßnahme, aber Hertha hat ja auch "eine besonders schlimme Saison" hinter sich, wie Präsident Werner Gegenbauer in seiner Begrüßung sagt: "Wir stellen uns hier." 920 Mitglieder sind gekommen, und sie dürfen nicht nur ihren Frust und ihre Anregungen loswerden, sondern auch einen kurzen Blick auf den neuen Trainer werfen. Viel sagen kann Markus Babbel noch nicht, aber mit dem Wenigen, das er sagt, bringt er das Auditorium gleich hinter sich. Über seine Gründe, nach Berlin zu wechseln, erzählt Herthas neuer Trainer: "Ich muss in die Stadt, wo ich als Spieler permanent einen auf den Sack bekommen habe. Ich wollte diese Ostkurve im Rücken haben und nicht immer gegen mich."

Preetz schließt Tremmel-Wechsel zu Hertha aus

Das ist schon mal kein schlechter Anfang, überhaupt wird der latente Ärger recht erfolgreich kanalisiert. Im ersten Teil bündelt der frühere Hertha-Spieler Axel Kruse die Fragen stellvertretend für die Mitglieder, im zweiten darf das Publikum dann selbst ans Mikrofon. Das Ganze läuft – angesichts der Brisanz – sehr gesittet und in weitgehend gedämpftem Ton ab. Pfiffe gibt es, als Michael Preetz andeutet, dass er mit dem abwanderungswilligen Kapitän Arne Friedrich noch über seinen Verbleib bei Hertha sprechen werde; Unmut wird laut, als ein Mitglied den Namen Gerhard Tremmel ausspricht, der als möglicher neuer Torhüter im Gespräch ist. "Ich kann Ihnen nicht sagen, wer in der nächsten Saison zwischen unseren Pfosten stehen wird", entgegnet Michael Preetz. "Ich kann aber sagen, wer nicht zwischen unseren Pfosten stehen wird, und das ist Gerhard Tremmel." Großer Jubel.

Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller bezeichnet Herthas Finanzsituation als stabil, obwohl die Verbindlichkeiten in den vergangenen zwölf Monaten von 33 auf rund 36 Millionen Euro gestiegen sind. "Die Lizenz ist sicher", verkündet er. Die Auflagen der Deutschen Fußball-Liga habe Hertha erfüllt, die neue Saison sei absolut durchfinanziert, und Hertha werde ganz sicher den größten Etat der Zweiten Liga haben. Präsident Gegenbauer deutet zudem an, dass über Genussscheine weiteres Geld generiert werde: "Ich bin überzeugt, dass es uns gelingt, einen namhaften Betrag einzuwerben", der dann zusätzlich in die Mannschaft gesteckt werden solle.

So weit der Ausblick in die Zukunft, die Aufarbeitung der Vergangenheit fällt bisweilen etwas einseitig aus. Auf die konkrete Frage nach seinen Fehlern antwortet Herthas Präsident Gegenbauer, dass es durch den Wechsel in der Geschäftsführung von Dieter Hoeneß zu Michael Preetz Irritationen gegeben habe. Er habe es unterschätzt, "dass bei einigen Mitarbeitern die Loyalität weniger Hertha BSC galt als dem ausgeschiedenen Geschäftsführer". Grund für die Trennung von Dieter Hoeneß sei allein gewesen, dass sich beide Seiten nicht einig geworden seien, wie der Übergang der Verantwortlichkeiten laufen solle: "Wir wollten einen sauberen Übergang, der ein Jahr dauert. Das wollte Dieter Hoeneß nicht." Indirekt unterstellt Gegenbauer dem früheren Geschäftsführer, der einmal einer seiner besten Freunde war, dass er weiterhin gegen Hertha arbeite: "Dass da heute kaum noch Frieden zu spüren ist – an uns liegt’s nicht." Doch zumindest innerhalb der Hertha-Familie ist der Frieden nach den zweieinhalb Stunden im ICC weitgehend wiederhergestellt.

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