Sport : Das Privileg des Ersten

Die Eisbären haben die Tabellenführung der DEL erobert und dürfen sie heute gegen Nürnberg verteidigen

Katrin Schulze

Berlin - Don Jackson bemühte einen Vergleich zum Boxsport, um die gegenwärtige Situation bei den Eisbären zu erklären. „Sobald die Glocke erklingt, müssen wir bereit sein zu kämpfen“, sagte der 51 Jahre alte Trainer der Berliner, als er nach der Herangehensweise seines Teams für die kommenden Partien in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gefragt wurde. Dass der US-Amerikaner, der sonst vor Spielen eher Floskeln wie „jeder Gegner ist stark“ und „man müsse von Spiel zu Spiel denken“ benutzt, dieses Bild zur Veranschaulichung heranzieht, liegt an der veränderten Ausgangssituation seiner Mannschaft. Obwohl der EHC Eisbären zwei Spiele weniger absolviert hat als der Zweitplatzierte Frankfurt, steht der Klub seit dem 4:1-Sieg über Straubing am Sonntag auf Rang eins in der DEL. „Jeder, der zukünftig gegen uns spielt, ist jetzt noch mehr motiviert, uns zu schlagen“, sagt Jackson.

Mit diesem erfolgreichen Saisonverlauf war nach der missglückten vergangenen Spielzeit, in der die Eisbären bereits in der Play-off-Qualifikation k.o. gegangen sind, nicht zu rechnen. Immerhin hat der Verein kaum personelle Veränderungen vorgenommen. Worauf lassen sich die 13 Siege in den 16 absolvierten Saisonspielen dann zurückführen? Wohl vor allem auf die wichtigste Personalie der Eisbären – den Trainerwechsel. Unter Don Jackson hat sich die Stimmung innerhalb des Teams enorm verbessert. „In der Kabine haben alle Spaß, das war letztes Jahr nicht immer so“, sagt Kapitän Steve Walker. Zudem betonen insbesondere die jungen Spieler immer wieder, wie viel Selbstbewusstsein der Trainer ihnen durch viele Einsätze und das Verzeihen von Fehlern verleihe. Das Zusammenspiel von Jung und Alt funktioniere hervorragend, sagt auch Kotrainer Hartmut Nickel. „Es ist ein wichtiger Faktor des Erfolgs.“

Zwar haben die Berliner noch nicht mal ein Drittel der Saison hinter sich, dennoch „sind wir dem ursprünglichen Plan weit voraus“, sagt Nickel. „Die 37 Punkte kann uns keiner mehr nehmen.“ Diese Bilanz ist auch im Hinblick auf die Verletzungen der Leistungsträger Denis Pederson und Mark Beaufait zu Saisonbeginn erstaunlich. Nach dem Comeback von Pederson, der seit drei Wochen wieder spielt, kehrt nun auch der Topscorer der vergangenen Saison Mark Beaufait zurück. Dass er ausgerechnet heute zum Spitzenspiel gegen den Tabellendritten Nürnberg Ice Tigers (19.30 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen) wieder aufläuft, sei für ihn nichts Besonderes. Auch einen zusätzlichen Druck, nun als Tabellenführer agieren zu müssen, spürt Beaufait nicht: „Wir sind es doch schon gewohnt, oben in der Tabelle zu stehen.“ Tatsächlich datiert der letzte erste Platz der Eisbären aber vom März 2006 – damals wurden die Eisbären nach der Tabellenführung in der Hauptrunde auch Deutscher Meister.

Von einer möglichen Duplizität der Ereignisse in dieser Saison will Don Jackson aber nichts wissen. „Für mich ist der erste Rang nicht das Entscheidende.“ Viel wichtiger sei eine konstant gute Leistung der Mannschaft, denn nur so könne man auch am Ende der Saison vorne mitspielen. Trotzdem lässt Jackson keinen Zweifel an der Bedeutung der Tabellenführung sowohl im sportlichen als auch im mentalen Bereich. „Die Tabelle ist ein Maßstab unserer jetzigen Stärke und ein großes Privileg“, sagt er. Durch diese Situation werde auch den Spielern klar, dass sie immer bereit sein müssen, alles zu geben. Wenn die Glocke erklingt.

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