Sport : Das Probieren geht weiter

Michael Rosentritt

wagt eine Standortbestimmung der Nationalmannschaft Juri Sjomin ist Trainer der russischen Mannschaft, die sich wie die deutsche gerade im Aufbau befindet. Am Mittwoch hat er einen interessanten Satz gesagt: „In emotionaler Hinsicht war das ein großer Erfolg für uns.“ Wenn dem so ist, dann dürfte das 2:2 für seinen Kollegen Jürgen Klinsmann kein Erfolg sein. Die Niederlage vor wenigen Tagen gegen den FC Bayern ließ sich einigermaßen mit der Abwesenheit der Münchener Nationalspieler in den Reihen der Nationalelf erklären. Das Spiel in Bestbesetzung gegen Russland hat nun gezeigt, dass die Mannschaft nicht entscheidend weiter gekommen ist. Es fehlt das Erfolgserlebnis, und es fehlt eine feste Formation. Das Probieren geht weiter.

Deutschland spielt offensiver und mutiger und engagierter als noch unter Klinsmanns Vorgänger Rudi Völler. Aber auch anfälliger. Vor zwei Jahren hätten die Deutschen gegen Russland vermutlich keines der beiden vermeidbaren Gegentore zugelassen, dafür aber wohl auch keins selbst erzielt. Schöner sieht es jetzt aus, aber wie weit wird das reichen?

Auch Jürgen Klinsmann hat einen interessanten Satz gesagt: „Für uns ist es eine Pflicht, nach vorn zu powern.“ Eine Pflicht? Heißt das: So viele Tore schießen, dass es irgendwann egal sein kann, wie viele kassiert werden? Jürgen Klinsmann hat in seiner neunmonatigen Amtszeit viele Symbole des Aufbruchs gesetzt. Im Augenblick aber bieten die guten Absichten und die starken Worte mehr Hoffnung und Halt als die deutsche Abwehr auf dem Rasen.

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