Sport : Das Problem mit der Pünktlichkeit

Bei Marcelinho ist alles in Ordnung, sagt sein Berater

-

Berlin - In der Nacht von Sonntag auf Montag, 0.30 Uhr in Deutschland, in Brasilien wird es Abend. Ein Anruf bei Wolfgang Nothdurft, Berater von Marcelinho. Er ist mit dem Fußballstar von Hertha BSC in dessen Heimat. Marcelinho hat seinen Urlaub schon mehr als eine Woche überzogen. „Hallo?“ „Guten Abend. Geht es Ihnen und Marcelinho gut?“ „Ja, alles in Ordnung.“ „Kommen Sie nach Berlin?“ „Ja.“ „Wann?“ „Vielleicht morgen.“ „Warum so spät?“ „Es gab Schwierigkeiten mit der Fluggesellschaft und andere Probleme. Dazu werden wir eine Pressekonferenz geben.“ „Will Marcelinho bei Hertha bleiben?“ „Ja, ich ... auch dazu werden wir etwas sagen. Ich verstehe Sie schlecht, kann Sie nicht mehr hören. Tschüss.“

Nur Wolfgang Nothdurft spricht portugiesisch und hat einen Zugang zu Marcelinho. Die Berater, die Hertha dem 31-Jährigen in seinen fünf Jahren in Berlin an die Seite gestellt hat, haben das nicht geschafft. Der vom Klub bezahlte Dolmetscher Alcir Pereira pflegt zwar ein entspanntes Verhältnis zu seinem Landsmann, nur geht es über das Übersetzen nicht hinaus.

Bei Bayer Leverkusen ist das anders. Frank Ditgens, Pädagogischer Leiter des Vereins, betreut ausländischer Spieler bei Bayer, das seit den Achtziger Jahren Brasilianer unter Vertrag hat. Für Ditgens ist die Sprache der Schlüssel für eine gelungene Integration. „Viele Brasilianer umgeben sich nur mit ihren Freunden und ihrer Familie“. Ditgens reagiert darauf mit einem auf jeden Profi zugeschnittenen Integrationsprogramm. Dabei seien Sprachkurse und feste Termine besonders wichtig, sagt Ditgens – „um besser die deutsche Pünktlichkeit kennen zu lernen“.

Marcelinho spricht noch nicht gut Deutsch nach fünf Jahren bei Hertha, wie man in der vergangenen Saison merken konnte. „Wie war das Spiel, Marcelinho?“ „Gut.“ Eine zweite Frage will er nur mit Dolmetscher beantworten. ist/SB

0 Kommentare

Neuester Kommentar