Sport : Das Rad laufen lassen

Jan Ullrich wird Dritter bei der Tour de Suisse

Mathias Klappenbach

Berlin - Am Berg hat er nicht ganz mitgehalten, aber Jan Ullrich war zufrieden. „Das war genau das, was ich noch gebraucht habe. Bis zur optimalen Tourform kann ich noch ein bisschen draufpacken“, sagte Ullrich, nachdem er die Tour de Suisse als Dritter beendet hatte. Bei der letzten Bergetappe kam Ullrich 1:45 Minuten hinter Aitor Gonzalez ins Ziel, der sich mit seiner Alleinfahrt auch den Gesamtsieg vor dem bis zum letzten Tag führenden Michael Rogers sicherte.

Bis zum Donnerstag war Ullrich im Gelben Trikot gefahren, dann war er sogar froh, es los zu sein, damit sein Team nicht den Druck hatte, es verteidigen zu müssen. „Ich konnte dem Angriff von Michael Rogers nicht folgen“, sagte Ullrich, nachdem er die Führung an den Australier, der in der kommenden Saison für Ullrichs T–Mobile-Team fahren soll, verloren hatte. Zumindest konnte er nicht folgen, ohne an seine Leistungsgrenze oder ein kleines Stückchen darüber hinaus zu gehen. Und das hat Ullrich in diesem Jahr bei der Tour de Suisse nicht getan.

Beim Auftaktzeitfahren hatte er Zeitfahr-Weltmeister Rogers geschlagen und anschließend das Gelbe Trikot einige Tage lang verteidigt. Dabei hinterließ er den Eindruck, jederzeit noch zulegen zu können. Dennoch gab er am Freitag an, froh zu sein, „dass ich gemeinsam mit Rogers das Ziel erreicht habe. Er ist zurzeit in einer sehr guten Verfassung.“ Lob für die anderen, zufriedene Zurückhaltung bei der Bewertung der eigenen Leistung: Ullrich freut sich vorsichtig auf das letzte Duell mit Lance Armstrong.

Da wird der Druck auf ihn ohnehin so groß wie immer sein, und mit einer überragenden Tour de Suisse hätte er womöglich Armstrong die Rolle des Favoriten abgenommen. Der haderte bei der anderen Vorbereitungsrundfahrt für die Tour de France, der Dauphiné Libéré, vor einer Woche noch ein bisschen mit seiner Form, weil er Vierter wurde. Der sechsmalige Tour-Sieger sah noch „viel Arbeit“ auf sich zukommen.

Das war bei Ullrich schon vor der Tour de Suisse anders. Sein Motto in der Schweiz hieß: Ich bin gut drauf, und es kommt wie es kommt. Obwohl er in der Gesamtwertung vor der letzten Etappe nur 20 Sekunden hinter Rogers lag, sprach Ullrich gar nicht erst davon, dass er seinen Sieg aus dem Vorjahr wiederholen wolle.

Damals wollte er ein Zeichen setzen und verausgabte sich am letzten Tag. Vor dem abschließenden Zeitfahren hatte er 41 Sekunden hinter dem Führenden Fabian Jeker zurückgelegen, im Ziel war er dann 42 Sekunden schneller und hatte die Tour de Suisse mit einer Sekunde Vorsprung gewonnen. Ein Prestigeerfolg und eine verheißungsvolle Ankündigung für die Tour de France – die er dann mit dem enttäuschenden vierten Platz beendete, unter anderem wegen einer Erkältung in den ersten Tagen.

Dieses Mal ging es vor allem darum, Überbelastungen zu vermeiden und sich von seinen erkälteten Kollegen fern zu halten. Andere Fahrer im Feld hatten den Eindruck, dass Ullrich mehr drauf hatte, als er erkennen ließ. Ullrich liegt im Plan, obwohl laut T-Mobile-Sportdirektor Mario Kummer bis zum Tourstart „noch einiges zu tun ist“. In den nächsten zwei Wochen wird Ullrich nur noch leicht trainieren, ein Kilo wiegt er noch zu viel.

Sein gutes Gefühl aus der bisherigen Vorbereitung zu bestätigen, ist Ullrich in einzelnen Momenten mit hoher Belastung gelungen. Er zeigte sich vorne, nicht nur bei seinem Sieg im Zeitfahren. Aber er hielt sich auch immer wieder zurück, um nicht zu viel Kraft zu verbrauchen. Dass am Freitag der junge Linus Gerdemann vom Team CSC nach seinem überraschenden Etappensieg in den Mittelpunkt rückte, wird Ullrich recht gewesen sein. Der erst 22-jährige Gerdemann gilt als einer der Fahrer, die einmal die Nachfolge von Jan Ullrich antreten könnten.

Bis dahin will der fünfmalige Zweite aber noch mindestens einmal die Tour de France gewinnen. Dieses Ziel geht er mit dem Wissen an, gut vorbereitet zu sein.

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