Sport : Das Rätsel ist gelöst

Wie schlägt man Roger Federer? Marat Safin weiß es – er steht nach seinem Sieg im Finale von Melbourne

Alexander Hofmann[Melbourne]

Wenn eine großartige Serie zu Ende geht, dann muss das auch auf großartige Weise geschehen. Roger Federer hat am Donnerstag im 25. Spiel gegen ein Mitglied der Top Ten im Männertennis zum ersten Mal verloren. Der Schweizer unterlag dem Russen Marat Safin im besten und spannendsten Spiel der Australian Open erst, nachdem er sechs Matchbälle abgewehrt und einen eigenen nicht verwertet hatte. 7:5, 4:6, 7:5, 6:7 (6:8), 7:9 musste sich der Titelverteidiger seinem Finalgegner vom Vorjahr geschlagen geben. Safin trifft in seinem dritten Endspiel in Melbourne auf den Sieger zwischen dem Australier Lleyton Hewitt und dem Amerikaner Andy Roddick, die heute um 9.30 Uhr unserer Zeit auf den Platz gehen.

Das Spiel zwischen Federer und Safin war bereits ein Klassiker, als es in der Rod-Laver-Arena 27 Minuten nach Mitternacht zu Ende ging. Die Kontrahenten umarmten sich lange am Netz, nachdem sie sich zuvor viereinhalb Stunden lang erbittert bekämpft hatten. Keiner der 15 000 Zuschauer hatte die Arena vorher verlassen. Die Schlüsselszene des Matches kam im Tiebreak des vierten Satzes, als Safin den ans Netz stürmenden Federer überlobbte. Statt eines sicheren Schlages versuchte die fast schon als unbesiegbar geltende Nummer eins der Welt einen Trickschlag durch die Beine, scheiterte aber am Netz. Der Matchball war vergeben, genauso wie vorher schon eine 5:2-Führung. Der fünfte Satz gehörte dann zum Außergewöhnlichsten, was man je im Tennis bewundern durfte: Genau zwei Stunden dauerte er.

„Zumindest habe ich gekämpft“, sagte Federer, „ich hatte meine Chancen, habe sie aber leider nicht genutzt.“ Zudem behinderten ihn am Ende diverse körperliche Probleme. Federer ließ sich vor dem fünften Satz behandeln, der Rücken zwickte, ein Nerv im Schlagarm spielte verrückt, am schlimmsten sei eine Blase am Fuß gewesen, die bereits seit dem zweiten Satz geschmerzt hatte, berichtete Federer. Die Pein, trotz eines Matchballs verloren zu haben, sei aber wesentlich größer gewesen. Federer sagte, es sei schade, dass seine Serie nun zu Ende gegangen sei. Aber nun müsse er eben eine neue beginnen. Die physischen Schwierigkeiten wollte er aber nicht als Entschuldigung gelten lassen: „Der bessere Mann hat gewonnen, und das war er.“

Er, Marat Safin, konnte seinen Sieg kaum fassen. Das Match an seinem 25. Geburtstag sei „eines der härtesten Matches meines Lebens“ gewesen, sagte er. Es sei natürlich besonders „psychologisch schwierig“ gewesen, sich nach so vielen vergebenen Siegchancen immer wieder neu zu motivieren. Die Lösung des Rätsels „Wie schlägt man Roger Federer?“ wollte der Weltranglisten-Vierte allerdings nicht preisgeben. Safin wollte sich lieber mit dem anstehenden Finale am Sonntag beschäftigen. Auch wenn ihn die Vorstellung eines weiteren Spiels sichtlich irritierte. „Das ist schon ein komisches Gefühl“, sagte Safin. „Da gewinne ich gegen Federer und halte den Pokal trotzdem noch nicht in den Händen.“

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