Sport : Das Rätsel von Hannover

Die unerwartete Misere eines Eishockey-Klubs

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Berlin Es sollte alles anders werden bei den Hannover Scorpions. Nach jahrelanger sportlicher Tristesse herrschte bei dem Klub aus der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) vor dieser Saison Aufbruchstimmung. Nun gehörte der Verein, zuvor vom Landtagsabgeordneten Jochen Haselbacher selbstherrlich geführt, Tui-Arena-Betreiber Günter Papenburg. Mit viel Engagement versuchte sein Geschäftsführer Marco Stichnoth, die riesige Halle auf dem Hannoveraner Messegelände zu füllen. Vergebens, denn die Leistung der Mannschaft unterbot alle Erwartungen. Nach 34 Spieltagen und nur zehn Siegen sind die Scorpions Stammgast auf dem letzten Tabellenplatz.

Der vorläufige Tiefpunkt fand für Hannover am Sonntag beim 0:7 in Wolfsburg statt. „Unsere Leistung war lächerlich“, sagte Trainer Kevin Gaudet. „Ich habe noch nie eine Mannschaft mit so weichem Charakter gesehen.“ Gaudet hatte das Traineramt vor einigen Wochen von Gunnar Leidborg übernommen. Doch der Effekt des Wechsels an der Bande hat bei den Scorpions, deren Mannschaft von im Vergleich zur Vorsaison als stärker besetzt galt, trotz zwischenzeitlicher Siege nie stattgefunden. Auch die Verpflichtung von Rich Parent im Dezember brachte wenig. Der ehemalige Torwart der Berliner Eisbären spielte ein paar Spiele ordentlich und enttäuschte dann: In Wolfsburg ließ sich Parent nach dem dritten Gegentor auswechseln. Eine Erklärung für die Misere hat Trainer Gaudet nicht, einer seiner Spieler sieht sie im psychischen Bereich. „Wir sind im Kopf einfach blockiert“, sagt Stürmer Andreas Morczinietz.

Immerhin, der Besuch bei Heimspielen der Scorpions ist, gemessen am Tabellenstand des Klubs, mit knapp 5000 Zuschauern im Durchschnitt gar nicht mal so schlecht. Doch sollte die „Blockade im Kopf“ nicht schnell gelöst werden, dann könnten die Fans die Lust verlieren. Denn wenn die Scorpions in den letzten 18 Spielen der Hauptrunde nicht den Sprung auf Platz zwölf schaffen, müssen sie in die Play-downs. Und da droht ihnen der Abstieg aus der DEL. Tsp

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