Sport : Das Rennen seines Lebens

Als erster Deutscher nach 13 Jahren siegt Max Rauffer wieder bei einem Weltcup

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Gröden „Max ist ein guter Fahrer“, hat der große Kjetil-Andre Aamodt mal gesagt, „aber man muss auch mal ins Ziel kommen.“ Wenn man ein perfektes Beispiel für die Umschreibung „ungenutztes Potenzial“ sucht, käme wohl kaum jemand besser in Frage als Max Rauffer. Der deutsche Skirennfahrer galt lange Zeit als großes Talent, doch gerecht werden konnte er den in ihn gesetzten Erwartungen nie. Mittlerweile ist er 32 Jahre alt, und eigentlich erwartet niemand mehr etwas von ihm. Gestern aber ist Max Rauffer ins Ziel gekommen. Als Erster.

Rauffer hat den Abfahrtslauf in Gröden gewonnen; es war sein erster Weltcup-Sieg überhaupt und der erste Erfolg für einen deutschen Skirennfahrer seit 13 Jahren. „Ich habe es noch gar nicht richtig realisiert. Es ist ein ganz tolles Gefühl. Mir ist einfach ein sehr guter Lauf gelungen“, sagte der Skifahrer aus dem Leitzachtal. Beim Abfahrts-Klassiker auf der Saslong setzte er sich sensationell in 1:50,59 Minuten vor dem Schweizer Jürg Grünenfelder (1:50,64) und dem Österreicher Johann Grugger (1:50:72) durch.

Dass Rauffer gestern in Gröden überhaupt im Starthaus stand, muss schon als Leistung bezeichnet werden. Im Winter 1996/97 war seine Karriere nach einem schweren Sturz in Beaver Creek/USA schon fast beendet, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Danach hatte er sein Potenzial immer wieder angedeutet, in entscheidenden Momenten aber Pech gehabt oder gepatzt. Bei der WM in St. Moritz 2003 lag er mit hervorragender Zwischenzeit auf Medaillenkurs – und stürzte dann. Doch Rauffer gab nie auf, auch nicht als ein Kreuzbandriss bei einem Sturz in Gröden vor einem Jahr sein endgültiges Karriereende zu bedeuten schien.

Es passt ins Bild, dass Rauffer nun ausgerechnet in Gröden gewann. Und dass ihm die Startnummer 13 zum Sieg verhalf. Nach ihm starteten alle Favoriten, doch sie konnten seine Zeit aufgrund des immer stärker werdenden Windes nicht mehr unterbieten. Auch der im Gesamtweltcup führende Bode Miller (1:51,85) hatte mit den starken Böen zu kämpfen und wurde schließlich nur 14. „Das war sicherlich nicht regulär“, sagte der Amerikaner. „Der Wind war wie eine Wand, aber was will man machen, so ist unser Sport.“ Der Österreicher Hermann Maier konnte sich aber nicht nur mit dem Wetter herausreden. Er zeigte wieder ein schlechtes Rennen und blieb als 37. sogar ohne Weltcup-Punkte. Florian Eckert aus Bad Tölz holte als 29. erstmals in diesem Winter zwei Zähler in der Abfahrt.

Bereits nach seiner Zieldurchfahrt hatte Max Rauffer die Fäuste geballt. Je mehr Favoriten an seiner Zeit scheiterten, desto aufgeregter wurde er. „Ich habe immer an mich geglaubt“, sagte er schließlich, als sein Sieg fest stand. Gegenteiliges kann man ihm wirklich nicht vorwerfen. Bei den Olympischen Spielen 2002, die mit Platz 34 und einer weiteren Enttäuschung endeten, hatte Rauffer trotzig behauptet: „Mein Rennen kommt noch.“ Gestern war es soweit. Tsp

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