Sport : Das Restrisiko wird kleiner

Frank Bachner

erklärt, warum Berlins Chancen auf den WM-Zuschlag steigen Selbst wenn diverse Council-Mitglieder des Leichtathletik-Weltverbands IAAF die rührselige, bewegende Abschiedsfeier für die zweimalige Olympiasiegerin Heike Drechsler nicht mehr mitbekommen haben sollten, weil die Zeremonie ganz am Ende des Istaf-Programms stand und das Stadion schon halb leer war – es spielt keine Rolle. Die Eindrücke, die jene Funktionäre, die im Dezember über den Austragungsort der WM 2009 abstimmen, gestern beim Istaf bekommen haben, lassen die Chancen Berlins weiter steigen. Ein volles Olympiastadion, ein reibungsloser Wettkampfablauf und vor allem ein faires begeisterungsfähiges Publikum sind überzeugende Argumente. Es ist ja kein Geheimnis, dass Berlin ohnehin gute Chancen hat. Konkurrent Valencia hat noch kein überzeugendes Stadion, Split hat aus politischen Gründen wenig Chancen, und Brüssels Stadion fasst erheblich weniger Zuschauer als das renovierte Berliner Olympiastadion.

Allerdings sind die reinen Fakten allein nicht ausschlaggebend. Berlins überraschende Pleite in Nairobi bei der Vergabe der WM 2005 hat bewiesen, wie sehr auch Gefühle und Psychologie eine Rolle spielen. Damals sprachen die Fakten auch für Berlin, gescheitert sind die Verantwortlichen aber an einer katastrophalen Bewerbung. Also kommt es jetzt vor allem auf die Frage an, wie sehr Berlin übers Istaf, über eine gute Bewerbung und überlegte Kontaktpflege das Herz der Councilmitglieder erreicht. Auftritte hart an der Grenze zur Realsatire, wie ein mühsam Englisch stotternder Clemens Prokop, der in Nairobi als Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbands nur Kopfschütteln geerntet hatte, werden diesmal sicher nicht passieren. Die Bewerbung wird professioneller präsentiert. Ein Restrisiko bleibt für Berlin immer, keine Frage. Aber dieses Risiko ist seit gestern sehr viel kleiner geworden.

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