Sport : Das Risiko mit der Arroganz

Marcel Reif

Die EM kommentiert von

Wahrscheinlich ist es so: Irgendjemand im weiten Kosmos des Schicksals scheint Großes vorzuhaben mit den Franzosen. Oder wie sonst ist zu erklären, dass ihnen Glück geschenkt wird, Glück in einem Maße, wie es kein Zufall sein kann? Diesmal in Form des Ausgleichstores gegen die Kroaten, was ihnen jetzt das Viertelfinale verheißt: Dazu bedarf es nur noch eines Punktes gegen die ja bekanntlich übermächtige Schweiz. Tür und Tor öffnet dieser Jemand den Franzosen, schickt Kroaten aufs Feld, die ganz offensichtlich auf Frankreich als Europameister gesetzt haben und sich eine Halbzeit lang den Tipp nicht zerstören wollten. Verzeiht den Franzosen die Hochnäsigkeit, das kroatische Desinteresse nicht weiter ausnutzen zu wollen als mit einem einzigen Törchen in den ersten 45 Minuten.

Und nicht einmal überbordende Arroganz straft dieser Jemand ab. Oder war es keine Arroganz, die die Franzosen verleitete, die Kroaten sozusagen wieder ins Spiel zu zwingen? War es keine Arroganz, anzunehmen, gegen die lächerlichen Kroaten könne man es auch mal wieder mit altverdienten Meistern des Sports wie Desailly versuchen, der dann prompt patzte und die Niederlage riskierte?

Das alles erinnert an die WM 2002 in Asien, als die eigene Arroganz Frankreich aus dem Turnier beförderte. Allein Zinedine Zidane schien gegen die Kroaten die Zeitzeichen gesehen zu haben, lief sich einen Wolf – und wenn er so weitermacht, wenn er so weitermachen muss, wird er platt sein wie damals in Asien. Damals strafte die Gerechtigkeit. Mal sehen, wie viel Geduld der Jemand aus dem Schicksalsreich diesmal hat.

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