Sport : Das Risiko-Spiel

Red Bull hat ein Problem: Soll das Formel-1-Team nun ganz auf Vettels Teamkollegen Webber setzen?

Karin Sturm[Yeongam]
Die rote Lampe brennt. Bei Sebastian Vettel erlosch der Motor zu früh. Ist er nun in seinem Team aus dem WM-Rennen? Foto: dpa Foto: dpa
Die rote Lampe brennt. Bei Sebastian Vettel erlosch der Motor zu früh. Ist er nun in seinem Team aus dem WM-Rennen? Foto: dpaFoto: dpa

Viele Freunde von Sebastian Vettel fürchteten nach dem erfolglosen Auftritt von Red Bull beim Großen Preis von Südkorea in der Formel 1, dass der tragische Held des Rennens von Yeongam gleich noch einen zweiten Tiefschlag würde hinnehmen müssen. Es stand zu befürchten, aus Vettels Sicht zumindest, dass sich die Teamführung auf seinen Red-Bull-Kollegen Mark Webber als WM-Kandidaten festlegen würde. Aus dem einfachen Grund, weil der Australier größere Chancen hat, den WM-Titel zu gewinnen. Denn Webber liegt 14 Punkte vor Vettel, und er hat die besseren Möglichkeiten, den aktuellen Spitzenreiter Fernando Alonso noch abzufangen.

Der Gedanke auf die Konzentration auf einen Piloten im Endkampf einer WM liegt nahe. McLaren hatte 2007 darauf verzichtet. Dort galten Lewis Hamilton und Alonso bis zum Schluss als gleichberechtigt – mit dem Ergebnis, dass Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen beide noch abfing und Weltmeister wurde.

So riet nun auch McLaren-Chef Martin Whitmarsh Red Bull eindringlich, alles auf Webber zu setzen. Aber er sagte auch: „Ich habe Zweifel, dass das passieren wird, weil bei Red Bull ja alle Sebastian so lieben.“ Das ist nicht ganz falsch. Red Bulls Teamchef Christian Horner verhält sich in letzter Zeit betont neutral, wenn es um seine Piloten geht. Zum Thema WM-Kandidat Webber sagte er allerdings englischen Journalisten: „Vielleicht wird sich da etwas ergeben.“ Deutschen Reportern hatte er noch gesagt: „Es wird keine Teamorder geben. Wir haben gesagt, so lange beide Fahrer noch Titelchancen haben, können sie frei fahren, und dabei bleibt es.“

Psychologisch ist es sicher richtig, den ohnehin etwas frustrierten Vettel, den nur ein Motorschaden in Südkorea am Sieg hinderte, nicht noch mehr zu verärgern. Außerdem hat Horner für seine Haltung eigentlich ja auch gute Argumente: „Ich habe keine Kristallkugel, ich weiß doch nicht, was passiert.“ Was Horner damit meint: Es könnte sich eine Situation ergeben, in der Alonso und Webber im letzten Rennen, in Abu Dhabi, Probleme bekommen, und dann Vettel genau die Punkte, die er in Brasilien dem Australier hatte schenken müssen, zum Titel fehlen würden.

25 Punkte Rückstand auf WM-Spitzenreiter Alonso klingt zwar nach sehr viel – doch wenn der Spanier ausfällt, während Vettel gewinnt, ist dieser Vorsprung weg. Und auch wenn Alonso ein cleverer Fahrer ist, gegen einen technischen Defekt oder eine Kollision ist er nicht gefeit. Das weiß auch Alonsos Teamchef Stefano Domenicali von Ferrari, der deshalb sein Team schon warnt: „Bitte bloß keine zu große Euphorie jetzt, am Boden bleiben, die Konzentration halten. Wir sind noch lange nicht Weltmeister!“

So ist es durchaus nicht nur Träumerei, wenn Sebastian Vettel seine Titelhoffnungen noch nicht abschreibt und gerade in den letzten Rennen der Saison weiterkämpft wie immer. Denn die Rechnung ist einfach. Sollte Alonso in einem der beiden verbleibenden Rennen ein größeres Missgeschick widerfahren, dann reichen Vettel immer noch zwei Siege vor Webber zum Titelgewinn, da er dann bei Punktgleichheit einen Sieg mehr als der Australier auf seinem Konto hätte.

Und dass er von den beiden der etwas Schnellere ist – und inzwischen auch der wesentlich lockerere und selbstbewusstere – haben die letzten Rennen gezeigt. Möglich, dass Horner auch diesen Punkt ins Kalkül zieht, wenn er zunächst einmal die Dinge offenlässt. Davon abgesehen: Sollte sich dann in den letzten beiden Rennen eine Situation ergeben, in der wirklich alles für Webber spricht, dann kann man ja immer noch ganz spontan zu einer Lösung kommen.

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