Sport : Das Saisonfinale wird wieder dramatisch

Hertha muss hart um den Einzug in den Uefa-Cup kämpfen – Bayer Leverkusen ist erst einmal an den Berlinern vorbeigezogen

Stefan Hermanns

Berlin - Fußball ist ein Spiel, das sich nur bedingt für Prophezeiungen eignet. Dieter Hoeneß, der Manager von Hertha BSC, hat am Wochenende diese Erfahrung gemacht. Hoeneß hatte vor dem 30. Bundesliga-Spieltag geweissagt, dass es im Spiel Bayer Leverkusen gegen Borussia Mönchengladbach auf jeden Fall einen Sieger geben werde – Hertha BSC. Als der Spieltag gespielt war, sah Hoeneß allerdings nicht wie ein Sieger aus. Herthas Manager hatte bei seiner Vorhersage den Fehler begangen, Herthas Heimsieg gegen Borussia Dortmund einfach als gegeben vorauszusetzen. Nachdem die Berliner gegen den BVB nur ein 0:0 erwirtschaftet hatten, sagte Hoeneß zwar: „Das 0:0 hilft uns mehr als den Dortmundern.“ Noch mehr allerdings hilft es den Leverkusenern.

Ein wenig konnte man sich an den 21. Mai 2005 erinnert fühlen. Die Bundesligasaison war gerade zu Ende gegangen, und auch damals hatte Hertha im Olympiastadion nur 0:0 gespielt. Ein einziges Tor hätte gegen Hannover 96 zur Qualifikation für die Champions League gereicht; ein einziges Tor hätte Hertha Millionen garantiert und Dieter Hoeneß einen ganz anderen Spielraum für Neuverpflichtungen eröffnet. Hoeneß war tief enttäuscht, doch anstatt seinen Ärger öffentlich vorzuführen, gab er sich erstaunlich gelassen. Die offizielle Vereinslinie lautete: Die Qualifikation für den Uefa- Cup ist ein großer Erfolg. Tief in Hoeneß sah es ganz anders aus.

In dieser Saison sind es nun noch vier Spiele, und inzwischen deutet einiges darauf hin, dass es für die Berliner erneut ein dramatisches Finale geben wird – diesmal im Kampf um den Einzug in den Uefa-Cup. Platz fünf muss Hertha erreichen, doch als die Leverkusener am Samstag das 2:1 gegen die Gladbacher erzielten, zogen sie an den Berlinern vorbei. Zwei Tore liegen sie nun vor Hertha. „Das zweite Tor der Leverkusener hat uns nicht viel Freude bereitet“, sagte Hoeneß.

Mit Bayers Sieg und dem eigenen Rückfall auf Platz sechs endete eine kleine Positivserie der Berliner, die nach all den guten Nachrichten zuletzt fast das Gefühl gewinnen mussten, dass die Saison geradezu zwangsläufig einem guten Ende zustrebe. „Der fünfte Platz ist nicht heute entschieden worden“, sagte Herthas Trainer Falko Götz nach dem Unentschieden gegen die Dortmunder. Und als Mittelfeldspieler Yildiray Bastürk seine Überzeugung aussprach, „dass es bis zum letzten Spieltag spannend bleibt“, meinte er dies nicht als Bedrohung für Hertha, sondern eher als Verheißung.

„Unsere Ausgangsposition ist nicht schlechter geworden“, sagte Manager Hoeneß. Er glaubt daran, dass sich die Mannschaft schon an den nächsten beiden Spieltagen wieder einen beruhigenden Vorsprung auf Leverkusen erarbeiten kann. Während die Berliner am Sonnabend bei Borussia Mönchengladbach antreten müssen, spielt Bayer beim Hamburger SV. Und wiederum eine Woche darauf kommt es im Olympiastadion zum direkten Duell der beiden Konkurrenten. „Zum Glück ist es ein Heimspiel“, sagte Yildiray Bastürk. Anschließend spielt Hertha noch gegen den HSV und in Nürnberg, Leverkusen gegen Nürnberg und in Hannover.

„Natürlich ist das eine Nervensache“, sagt Manager Hoeneß. Das muss nicht gegen Hertha sprechen. Die Berliner haben in den vergangenen Wochen gezeigt, dass sie nicht nur einen Rückschlag, sondern auch eine tiefe Krise meistern können. Doch auch Bayer ist in letzter Zeit nicht unbedingt als Nervenbündel auffällig geworden. Die Mannschaft, zu Beginn der Rückrunde noch latent abstiegsgefährdet, erlebt unter ihrem Trainer Michael Skibbe gerade einen stabilen Aufschwung. Zuletzt hat Bayer viermal hintereinander gewonnen.

In Mönchengladbach, beim nächsten Gegner, werden sich die Berliner möglicherweise an das vergangene Jahr erinnern. Hertha qualifizierte sich damals zwar mit einem 0:0 schon einen Spieltag vor Saisonende für den Uefa-Cup, konnte es durch das Unentschieden aber nicht mehr aus eigener Kraft in die Champions League schaffen. „Das habe ich noch nicht vergessen“, sagte Hoeneß am Samstag. „Damals habe ich mich nicht wohl gefühlt.“ Anmerken ließ er sich das vor einem Jahr nicht. Hoeneß prophezeite damals: „Ich habe ein sehr, sehr gutes Gefühl. Einer wird straucheln, und wir werden gewinnen.“

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