Sport : Das Saisonnebenziel

Hertha BSC will ins Pokalfinale kommen – und nimmt dafür heute Anlauf beim Viertligaklub Aindling

Friedhard Teuffel

Berlin - Im Grunde ist Hertha BSC mit zwei Lasten in diese Fußballsaison gegangen. Es ist bisher immer nur von der schwereren der beiden gesprochen worden, davon, dass der Misserfolg der vergangenen Bundesligasaison noch drücken wird. Doch es gibt noch eine andere Last: In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben die Berliner Fußballprofis im DFB-Pokal keinen großen Erfolg mehr gehabt. Meistens flogen sie in der zweiten Runde raus.

Es lief auch nicht besser, als Huub Stevens als Trainer zu Hertha kam. Dabei hatte Stevens zuvor mit Schalke 04 zweimal hintereinander den Pokal gewonnen. Trotz dieser Vorgeschichte spricht Herthas neuer Trainer Falko Götz von einer Finalteilnahme. Der Anfang ist leicht. Heute spielen die Berliner beim TSV Aindling, einem Klub aus der Bayernliga, der vierthöchsten Spielklasse.

Götz hat die Finalteilnahme nur sehr leise erwähnt. Er hat sie auch eingebaut in einen längeren Satz, den er so begann: „Wenn man das Finale erreichen will...“ Dieses Saisonnebenziel könnte aber immerhin ein Ausgleich dafür sein, dass sich die Berliner sonst nichts Übermenschliches vorgenommen haben in dieser Saison. In der Bundesliga wollen sie einen einstelligen Tabellenplatz erreichen, das verspricht nicht viel Glamour. Das Pokalfinale jedoch ist mit finanziellen Einnahmen verbunden und dazu noch mit viel Aufmerksamkeit. Wer ins Finale kommt, ist in der Regel unverdächtig, eine graue Maus zu sein.

Warum Herthas Amateurmannschaft 1993 ins Finale kam, die Profis dies aber seit 1979 nicht mehr geschafft haben, ist schwer zu erklären. Vielleicht ist das Pokalfinale nicht Motivation genug. Im Berliner Olympiastadion kann Hertha schließlich alle zwei Wochen spielen. Viel wichtiger dürfte jedoch sein, dass die Berliner in den vergangenen Jahren nicht übermäßig offensiv ein- und aufgestellt waren. Den Sieg zu erzwingen mit Angriffsfußball war nicht gerade die Stärke der Berliner.

In dieser Saison jedoch hat Hertha ganz neue Möglichkeiten, und das könnte sich auch auf die Teilnahme am DFB-Pokal angenehm auswirken. Mit Gilberto und Yildiray Bastürk haben die Berliner zwei offensive Spieler verpflichtet, die nicht vor dem Tor auf Flanken warten. Sie laufen selber mit dem Ball nach vorne und sind dazu noch torgefährlich.

Für den viertklassigen TSV Aindling, einen Klub unweit von Augsburg, wird das Spiel der Höhepunkt des Jahres, für Hertha BSC dagegen sei es nur „eine Hausaufgabe“, sagte Götz. „Wir können uns das Leben nur selber schwer machen.“ Umgekehrt könnten die Berliner aber auch einiges mitnehmen aus dem Pokalwettbewerb, nicht nur finanzielle Erträge. Sie könnten sich für die Bundesliga inspirieren lassen von guten Spielen im Pokal. Das ist in den vergangenen Jahren einigen Mannschaften gelungen, im vorigen zum Beispiel den beiden Finalisten Werder Bremen und Alemannia Aachen. Immerhin haben sich die Berliner in dieser Saison schon ein Ziel für den Pokalwettbewerb gesetzt.

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