Sport : Das Schadensbegrenzungsfinale

Nach einer mäßigen Saison kann Hertha noch den sechsten Platz sichern

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin – Am Samstag steht für Hertha BSC ein Endspiel beim 1. FC Nürnberg an. Gewinnen die Berliner oder holen einen Punkt, dann waren sie erfolgreich – zumindest am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison. Denn eines ist bereits vor dem Anpfiff klar: Hertha BSC hat das selbst ausgegebenes Saisonziel verpasst. Die Berliner wollten direkt in den Uefa-Cup. „Wir wollen einen vernünftigen Saisonabschluss“, sagt Trainer Falko Götz. Nach den Wochen der Krise, in denen Hertha von Dezember bis Mitte März gesteckt hatte, mag ein sechster Platz ein gefühlter Erfolg sein. Nach dem besten Start in die Saison seit dem Wiederaufstieg in die Bundesliga 1997 ist er für viele jedoch eine Enttäuschung; Herthas Saison begann hervorragend, drohte katastrophal zu enden – und bleibt am Ende hinter den Erwartungen.

Noch im Spätherbst sah es so gut aus, wie seit langem nicht mehr für die Berliner. Die Zwischenrunde im Uefa-Cup war so gut wie überstanden, in der zweiten Runde des DFB-Pokals wurde Gladbach mit 3:0 im Olympiastadion geschlagen, die Fans feierten ihre Mannschaft lange nach dem Abpfiff. „Wir wollen Pokaleuphorie entfachen“, hatte Manager Dieter Hoeneß damals angekündigt.

Wenig später kam der Bruch: am 21. Dezember, Hertha musste im Pokal-Achtelfinale bei St. Pauli antreten. Es war das letzte Spiel der Berliner vor der Winterpause. Hertha verlor 3:4 beim Regionalligisten. Das Spiel am Millerntor war der Wendepunkt einer bis dahin erfolgreichen Saison.

Hertha blieb nach St. Pauli neun Pflichtspiele ohne einen Sieg. Die Mannschaft schied gegen Rapid Bukarest aus dem Uefa-Cup aus und fiel in der Bundesliga auf den zehnten Tabellenplatz zurück.

Zuvor war öffentlich geworden, dass Hertha seinen Profis die Prämien für den Monat September nicht fristgerecht überwiesen hat. Später wurde das von der Vereinsführung als buchhalterischer Fehler abgetan. Doch längst wurden die 35 Millionen Euro Verbindlichkeiten des Vereins in der Öffentlichkeit diskutiert.

In dieser Phase wurde das große Ganze in Frage gestellt, der Druck auf die Vereinsführung stieg, die Fans forderten Konsequenzen.

Die 2:4-Niederlage im März gegen den damaligen Tabellenletzten 1. FC Köln im Olympiastadion, dem neunten Bundesligaspiel ohne Sieg in Folge, war der sportliche Tiefpunkt der Saison. Anschließend traf sich der Beteiligungsausschuss des Vereins. „Wir befinden uns in einer sportlichen Krise“, sagte Manager Hoeneß. Es wurde über den Verbleib des Trainers Falko Götz abgestimmt – und einstimmig für ihn votiert. Eine Woche darauf siegte Hertha 3:0 in Bremen und blieb die sechs darauf folgenden Bundesligaspiele ohne Niederlage.

Etwa zeitgleich mit dem Sieg bei Werder Bremen stellte der Klub ein Konzept zur Sanierung vor, nach dem unter anderem knapp 20 Millionen kurzfristiger Verbindlichkeiten in mittelfristige (bis 2010) umgewandelt werden. Hertha hat etwa 35 Millionen Euro Verbindlichkeiten. Der für Finanzen zuständige Geschäftsführer Ingo Schiller bezeichnete das Konzept „als wichtigen Baustein für die Zukunft von Hertha BSC“.

Mittlerweile blickt Manager Hoeneß wieder zuversichtlich nach vorn. „Die beiden letzten Spiele haben mir Mut gemacht“, sagt er. Hoeneß meint damit die 1:5-Niederlage gegen Bayer Leverkusen und den 4:2-Sieg über den Hamburger SV. Gegen Leverkusen hatte Hertha ab der 30. Minute überzeugend Fußball gespielt, allerdings lagen die Berliner zu diesem Zeitpunkt bereits 0:3 zurück. Mit einem Sieg hätte Hertha wohl die direkte Qualifikation für den Uefa-Pokal geschafft. Nun muss sich die Mannschaft über den UI-Cup qualifizieren, könnte so durch die Hintertür noch in den Uefa-Cup gelangen. Einen Punktgewinn in Nürnberg vorausgesetzt.

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