Sport : Das Schalker Herz

Der Brasilianer Lincoln steht für den neuen Erfolg

Felix Meininghaus

Leverkusen - Als der beste Mann auf dem Platz nach dem 3:0 der Schalker in Leverkusen, der bis dahin stärksten Heimmannschaft der Liga, nach seinen Empfindungen gefragt wurde, sagte Lincoln, er sei „tausendprozentig zufrieden“. Das Strahlen seiner Augen verriet, dass der Brasilianer diese Einschätzung für eine Untertreibung hielt.

Lincoln ist das Herzstück einer Schalker Mannschaft, die sich unter der Führung ihres Trainers Ralf Rangnick anschickt, Großes zu vollbringen. Mit Ailton, Krstajic und Bordon hatten die Schalker vor der Saison drei Spitzenspieler ins Revier geholt, um die sie die gesamte Liga beneidete. Lincoln kam als Dreingabe dazu, kaum beachtet ob der Qualität seiner Kollegen. Der Brasilianer hatte sich in Kaiserslautern mit allen Funktionären im Klub verkracht und saß ein halbes Jahr daheim in Brasilien, ehe ihn der Ruf aus Gelsenkirchen erreichte.

Längst ist Lincoln zur Schaltzentrale eines Teams geworden, das mit seinem gnadenlosen Konterspiel ernsthafte Ambitionen auf die Meisterschaft anmelden kann. „Den hat uns der Himmel geschickt“, sagt Schalkes Finanzchef Josef Schnusenberg. Tatsächlich füllt Lincoln das spielerische Vakuum, das seit dem Abtritt von Andreas Möller zwei Jahre lang nicht geschlossen werden konnte. Beinahe jeden dieser überfallartigen Angriffe, die immer mehr zum neuen Schalker Markenzeichen werden, fädelt der Südamerikaner ein. In Leverkusen bereitete Lincoln die Treffer von Ebbe Sand und Ailton vor, den dritten Treffer erzielte er selbst.

Mit jedem Sieg wächst auf Schalke die Zuversicht, dass die seit 46 Jahren andauernde Zeit ohne Meisterschaft in dieser Spielzeit zu Ende gehen könnte. Schalke hat unter Rangnick ein eigenes Gesicht entwickelt und präsentiert gehobene Spielkultur. In einem Korridor 30 bis 40 Meter vor dem eigenen Tor fangen sie die Bälle ab, um dann ihre schnellen Attacken zu starten. Ailtons Treffer zum 2:0 sollte in keinem Lehrvideo über modernen Fußball fehlen. Mit bestechender Präzision kombinierten die Schalker von der Balleroberung über Sand und Lincoln bis zum Torschützen, ohne dass die Leverkusener auch nur in die Nähe des Balls gekommen wären.

Rangnick hat es bisher geschafft, ein hervorragend funktionierendes Kollektiv zu formen, das Künstlern wie Lincoln oder Ailton die Möglichkeit lässt, ihre individuelle Klasse einzubringen. „Wir sind auf einem ganz guten Weg“, sagt der Trainer, „aber eine tolle Mannschaft bist du erst, wenn du am Ende der Saison etwas vorzuweisen hast.“

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