Sport : Das Scheitern der Akademiker

Die SCC-Volleyballer versinken im Mittelmaß

Karsten Doneck

Berlin - Den Matchball brauchte der Moerser SC gar nicht mehr selbst zu verwandeln. Das erledigte der Gegner gleich mit. Jovan Vukanovic, Diagonalspieler beim SC Charlottenburg, peitschte den Ball von der rechten Außenseite des Netzes diagonal über das Feld des Kontrahenten – direkt ins Seitenaus. 25:21 gewann Moers den vierten Satz und mit 3:1 auch das Halbfinale im deutschen Volleyball-Pokal bei einem enttäuschenden SCC. Während die Gästespieler wie losgelöst im Kreis tanzten, sanken die Verlierer auf der Bank am Spielfeldrand nieder: gesenkten Hauptes, mit leerem Blick, schweigend.

Die SCC-Spieler grübelten über eine verpasste Gelegenheit. Wenigstens einmal in ihrer Laufbahn hätten sie vor über 11 000 Zuschauern im Pokalfinale in Halle (Westfalen) Volleyball spielen dürfen – am 4. März, dann ist Endspieltag. Doch wer so leidenschaftslos wie der SCC eine Art Beamten-Volleyball spielt, dem bleibt der Zugang zu den großen Events eben verschlossen. „Die Moerser haben sich förmlich zerrissen. Bei uns, so hatte ich den Eindruck, wurde mehr akademisch diskutiert, ob der Block nun fünf Zentimeter nach links oder nach rechts rücken müsse.“ So umschrieb SCC-Manager Kaweh Niroomand das Dilemma.

Der SCC bestätigte durch das Pokal-Ausscheiden aber letztlich nur seinen Abwärtstrend. Auch im Europapokal, dem Top Teams Cup, kam die Mannschaft nicht über die Qualifikationsrunde hinaus, in der Bundesliga droht der Sturz ins Mittelmaß. Die Strukturen der Mannschaft stimmen nicht. Es fehlt eine Hierarchie, „ein Mann, an dem sich die gesamte Mannschaft auch mal aufrichten kann“, wie Niroomand sagt. So einer, wie Moers ihn in Georg Grozer junior hatte. Der 22-Jährige begann mäßig, steigerte sich aber in Satz drei und vier, um dort in kniffligen Situationen wichtige Punkte zu machen. „So einen Typ haben wir nicht, schon seit Jahren nicht mehr“, bedauert Niroomand.

Brav und bieder spielte der SCC – und nicht zuletzt deshalb erfolglos. Auch Michael Warm, den Trainer, trifft daran eine Mitschuld. Warm besitzt unbestritten ein Höchstmaß an Volleyball-Kompetenz, aber bei seiner ruhigen, sachlichen Arbeitsweise kommt die im Volleyball ebenfalls wichtige emotionale Seite zu kurz. „Er besetzt viele Schubladen sehr gut, aber auch er sammelt seine Erfahrungen und muss lernen, auch ab und zu mal ein Schweinehund zu sein und die Spieler zu provozieren“, fordert Niroomand.

Personelle Änderungen sind in dieser Saison nicht mehr geplant. Der Transfermarkt ist geschlossen, ein Trainerwechsel steht nicht zur Debatte. Also rücken andere Ziele in den Mittelpunkt – ganz bescheidene. „Es wird schwer genug, in dieser Saison unter die ersten vier zu kommen“, weiß Niroomand. Und was passiert nach Saisonende? Niroomand: „Das verdränge ich.“

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