Sport : Das Scheitern zum Schluss

Der HSV kann beim Debüt von Trainer Klaus Toppmöller lange überzeugen – doch in letzter Minute trifft Schalke zum 2:2

Frank Heike

Hamburg. Klaus Toppmöller hat in seinem langen Trainerleben schon viel erlebt und viel mitgemacht. Wer beim Hamburger SV einen lamentierenden neuen Trainer erwartet hatte, der den späten Ausgleich des FC Schalke 04 beklagen würde, konnte daher nur enttäuscht werden. Toppmöller wollte seinen ersten Arbeitseinsatz in der AOL-Arena am Samstag nun wirklich nicht überbewerten: „Nach der turbulenten Woche muss man mit dem 2:2 zufrieden sein. Wir haben viel Arbeit vor uns, um die Fehler abzustellen. Ich bin sicher, wir werden unseren Weg beschreiten und wieder nach vorn kommen.“ Dem Schalker Ausgleich durch den 34 Jahre alten Österreicher Eduard Glieder in der 90. Minute wollte Toppmöller allem Anschein nach gar nicht mehr allzu viel Negatives beimessen. Der Blick richtete sich nach vorn.

So viel Zuversicht vom neuen Mann tat den Spielern, den Fans und vor allem den zuletzt so scharf kritisierten HSV-Verantwortlichen Bernd Hoffmann und Dietmar Beiersdorfer richtig gut. Dass die Grundlage des von Toppmöller ausgestrahlten Hamburger Optimismus ein Unentschieden gegen 60 Minuten lang schwache Schalker war, schien eine Stunde nach Spielende schon vergessen. Wie auch die Tatsache, dass es nun nach Dortmund geht.

Nüchtern analysierte Toppmöller die Fehler seiner neuen Spieler, besonders den des erstmalig zum Einsatz gekommenen Torwarts Stefan Wächter, der zum Anschlusstreffer der Schalker führte. Der Ersatzmann des verletzten Martin Pieckenhagen unterlief eine Flanke. Toppmöller sagte: „Mein Assistent und ich haben vor dem Spiel viele Videos geguckt, es ist ja schockierend, wie sich das Team bei hohen Bällen verhält, sowohl vorn wie hinten.“ Das sei das Erste gewesen, was der neue Trainer in den bisherigen beiden Übungseinheiten besser habe einstudieren lassen. Und wirklich: Dieses Mal kamen Flanken und Ecken tatsächlich besser als in vielen Spielen unter seinem am Mittwoch entlassenen Vorgänger Kurt Jara.

Anderes aber musste dem neuen Trainer immer noch missfallen; wie sich die Hamburger nach der 2:0-Führung durch zwei Tore von Bernardo Romeo (29. und 68. Minute) in die eigene Hälfte drängen ließen: „Wir haben den Gegner 60 Minuten lang beherrscht. Leider haben wir dann mit dem Fußballspielen aufgehört und in der Schlussphase keine richtigen Konter mehr gefahren“, sagte Toppmöller. Trotzdem hätte Takahara in der 85. Minute die Vorentscheidung erzielen können, doch Frank Rost im Schalker Tor hielt den Schuss des Japaners. Zu diesem Zeitpunkt stand es schon nur noch 2:1, weil Annibal Matellan in der 73. Minute Wächters Fehler ausgenutzt hatte.

Der Schalker Trainer Jupp Heynckes sagte: „Nach dem Tor haben wir besser kombiniert, und wir hatten mehr Selbstvertrauen. Dieser Punktgewinn ist sehr wichtig für unsere Moral.“ Schalke profitierte dabei auch vom Ausfall der beiden Hamburger Spieler Bernd Hollerbach und Sergej Barbarez. Beide schieden verletzt aus, wobei sich Hollerbach erneut am mehrfach operierten rechten Sprunggelenk verletzte. „Als sie draußen waren, haben wir den Faden verloren“, sagte Klaus Toppmöller.

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