Sport : Das schlechteste Team der Rückrunde

Bremen rutscht durch das 1:2 gegen Hannover weiter zurück

Frank Hellmann

Bremen. Thomas Schaaf ist ratlos. „Es gibt Phasen, da redest und redest und redest du, aber es klappt nichts“, sagte der Trainer des SV Werder Bremen. Das 1:2 (1:1) gegen Hannover 96 zählte zu jenen Abschnitten, die den Trainer rätseln lassen. Der Coach fragte deprimiert: „Wir können es doch nicht verlernt haben?“

Genau diesen Eindruck erwecken die Bremer Fußballprofis in diesem Jahr aber. In einem niveauarmen Nordderby, in dem selbst der Sieger eine Halbzeit lang auch nicht gut war. „Unterirdisch schlecht wie lange nicht mehr“, sagte Hannovers Trainer Ralf Rangnick. Doch Bremen übertraf die Hannoveraner noch an Niveaulosigkeit. Werder ist nun das schlechteste Team der Rückrunde, hat erst vier Punkte geholt und von neun Partien sieben verloren. „Wir sind in großer Gefahr, alles zu verspielen“, sagt Schaaf. Sogar die Ränge, die für die Teilnahme am UI-Cup berechtigen.

Der Ausfall der gesperrten Mittelfeld- Troika mit Ernst, Lisztes und Micoud, die frühe Verletzung von Abwehrrecke Kristajic könnte eine Entschuldigung sein. Doch Sportdirektor Klaus Allofs sagte: „So ein Spiel darf man trotzdem nicht verlieren.“ Zum einen, weil Ailton den Gastgeber vor 38 000 Augenzeugen mit seinem 16. Saisontreffer früh in Führung schoss, zum anderen, weil die Niedersachsen anfänglich „alles vermissen ließen, was den Fußball auszeichnet“, wie Rangnick sagte.

Doch selbst die erschreckende Harmlosigkeit der Hannoveraner konnten die verunsicherten Bremer an diesem sonnigen Nachmittag nicht nutzen. Wie aus heiterem Himmel glückte dem Gast in der 44. Minute der Ausgleich: Nach Cherundolos Flanke köpfte Bobic das glückliche 1:1. Barten und Baumann betätigten sich als Zuschauer.

Apropos Baumann: Der Kapitän, der nach einer Verletzungspause dabei war, verspürte nach dem Spiel erneut Beschwerden im Oberschenkel und wird Rudi Völler für das Länderspiel absagen. Zu seinem Fauxpas beim Gegentor wollte der Bremer nichts sagen. Überhaupt hasteten die meisten Bremer Spieler wortlos in die Kabine, Markus Daun erklärte immerhin, „dass diesmal wenigstens die Einstellung gestimmt hat.“

Fredi Bobic verhinderte jedoch, dass es für Bremen zur Punkteteilung reichte. In der ebenfalls unansehnlichen zweiten Hälfte drosch der Torjäger zwar einen Elfmeter über das Tor, doch dann traf der Nationalspieler nach feiner Vorarbeit von Krupnikovic doch noch zum nicht unverdienten Sieg. „Mein hundertstes Bundesliga-Tor kann ich auch später noch machen“, sagte Bobic. Die Spieler aus Hannover können jetzt wieder entspannter die Tabelle betrachten. Dennoch sieht Rangnick keinen Anlass zur Zufriedenheit. „Allein deshalb nicht, weil wir bei vier Elfmetern nicht einmal das Tor getroffen haben.“ Kollege Schaaf hat andere Sorgen, die nächsten Aufgaben sind Gastspiele bei Dortmund und Bayern.

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