Sport : Das Selbstvertrauen kehrt zurück

Bambergs Basketballer wollen gegen Quakenbrück eine schwierige Saison noch mit dem Meistertitel krönen

Peter Seidel[Bamberg]

Es ist noch nicht einmal vier Wochen her, da verabschiedeten die Zuschauer die Basketballer der Brose Baskets zum ersten Mal in dieser Saison mit Pfiffen aus der Halle. Am vergangenen Sonntag dagegen wurden die Bamberger Korbjäger schon wieder mit stehenden Ovationen gefeiert. Der einfallslose Auftritt bei der 58:69-Heimniederlage gegen die Telekom Baskets Bonn zum Play-off-Auftakt sowie der mit viel Leidenschaft erkämpfte 65:60-Erfolg gegen EnBW Ludwigsburg, der den Franken letzten Dienstag den Einzug in die Finalserie um die deutsche Meisterschaft bescherte, spiegeln den Saisonverlauf treffend wider. Umso größer ist jetzt die Freude. „Wir stehen zum vierten Mal innerhalb von fünf Jahren im Endspiel. Das ist einfach unglaublich“, sagte Trainer Dirk Bauermann erleichtert. Der 49-Jährige, der 2001 nach Bamberg kam, führte das Team 2003 (0:3 gegen Alba Berlin) und 2004 (2:3 gegen Skyliners Frankfurt) zur Vizemeisterschaft und holte 2005 (3:2 gegen Frankfurt) erstmals den Titel an die Regnitz. Ab heute (17 Uhr, live bei Premiere) greifen die Brose Baskets in der „Best-of-five“-Endspielserie gegen die Artland Dragons aus Quakenbrück erneut nach dem Titel.

Doch in dieser Saison war der Finaleinzug nicht unbedingt zu erwarten. Zwar hatten die Franken wie gewohnt das Ziel „Halbfinale plus x“ ausgegeben, aber schon zu Vorrundenende schien dieses ernsthaft in Gefahr zu geraten, weil die Vereinsverantwortlichen bei der Zusammenstellung des Kaders diesmal kein allzu glückliches Händchen gehabt hatten. Als größte Enttäuschung entpuppte sich der als Anführer vorgesehene Ex-Berliner DeJuan Collins, der kurz vor Weihnachten aus disziplinarischen Gründen suspendiert wurde. Mit Adam Harrington, Jermaine Anderson und Derrick Zimmerman mussten zur gleichen Zeit, als die Bamberger von den Abstiegsplätzen ebenso weit entfernt waren wie von den Play-off-Rängen, drei weitere Spieler ihre Koffer packen.

Beim Umbau der Mannschaft hatten die Bamberger dann jedoch Glück. Erst holten sie Eigengewächs Steffen Hamann, der nach einem Trainerwechsel beim italienischen Traditionsverein Climamio Bologna kaum noch Spielzeit erhalten hatte, nach Bamberg zurück. Und dann gelang es ihnen sogar, Casey Jacobsen zu verpflichten. Der ehemalige NBA-Profi, der über 200 Spiele für die Phoenix Suns und die New Orleans Hornets bestritten hat, gewann in der vergangenen Saison mit dem spanischen Spitzenklub Tau Vitoria in der Euroleague viermal gegen die Bamberger. Damals hatten sie die Wurfsicherheit Jacobsens bereits zu spüren bekommen.

Mit Hamann und Jacobsen kehrte der Erfolg zu den Brose Baskets zurück. Aufbauspieler Hamann, früher das Herz der Mannschaft, ist mittlerweile auch ihr Kopf. „Er ist der Kleber, der uns zusammenhält“, beschreibt Trainer Bauermann die wichtige Rolle Hamanns. Und Jacobsen (16,9 Punkte im Schnitt) wurde nach Ende der Hauptrunde zum besten Offensiv-Spieler der Liga gekürt.

Nun soll das Überraschungsteam aus Quakenbrück seine Grenzen aufgezeigt bekommen. „Um dieses Team knacken zu können, muss man auf hohem Niveau verteidigen. Und das kann keiner so gut wie wir“, sagt Bauermann. Rechtzeitig zum Finale ist das Selbstvertrauen bei den Brose Baskets jedenfalls so groß wie noch nie in dieser Saison.

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