• „Das sind die Bayern Zyperns“ Rainer Rauffmann spielt in Nikosia und gibt Hertha Tipps

Sport : „Das sind die Bayern Zyperns“ Rainer Rauffmann spielt in Nikosia und gibt Hertha Tipps

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Bei Ihnen war lange besetzt, Herr Rauffmann. Haben Sie mit Holger Gehrke, dem Kotrainer von Hertha BSC, telefoniert?

Nein, der war’s nicht. Aber der Lange wird sich schon melden.

Sie haben von Herthas Gegner in der zweiten Uefa-Cup-Runde gehört? Es ist Apoel Nikosia.

Die Leute reden von nichts anderem mehr.

Mit Gehrke haben sie bei Blau-Weiß 90 in Berlin gespielt. Jetzt sind Sie Profi auf Zypern. Was werden Sie ihm denn vom Gegner verraten?

Hertha soll bloß nicht so hochnäsig nach Zypern kommen. Dann gehen die hier unter.

Zypern ist nicht bekannt für guten Fußball …

… natürlich ist die Liga nicht so stark. Aber die ersten drei Klubs könnten in der Bundesliga schon mithalten.

Mit welchen Mannschaften denn?

Sicherlich nicht mit den Bayern. Aber so wie 1860 München können wir auch spielen.

Da hat Hertha 0:1 verloren. Angenommen, Apoel erwischt nicht den besten Tag – wird es für Hertha noch andere Probleme geben?

Das Klima. Wie warm ist es bei euch?

Naja, es ist eher kalt.

Wir haben auf Zypern 30 Grad. Abends sind es immer noch 22, 23 Grad. Die Luftfeuchtigkeit ist enorm. Nikosia liegt im Landesinneren, hier weht kein kaltes Lüftchen.

Hört sich eher wie Urlaub an.

Mag sein. Aber Fußballspielen macht dann keinen Spaß. Der Huub Stevens wird seine Jungs aber vorbereiten. Notfalls trainiert er mit ihnen in der Sauna.

Außer dem Klima – was werden Sie Gehrke noch erzählen?

Die sollen sich auf die Fans gefasst machen. Hier kommt der Fußball vor der Familie. Es ist unfassbar. Neulich erst, beim Stadtderby in Nikosia zwischen Apoel und Omonia …

… bei diesem Verein spielen Sie …

… da haben die Fans sich bekriegt. Die Polizei musste auf den Tribünen Gitter aufbauen. Nach dem Spiel ist alles vorbei. Dann gehen sie gemeinsam in die Kneipe.

Welches Image hat denn Apoel in Nikosia?

Das sind die Bayern Zyperns. Reich und arrogant. Wir sind der Arbeiterklub, die Alternative in der Stadt. Diese Feindschaft spürt man bei jedem Derby.

Dabei hat das Land schon genug Probleme.

Ich erlebe den Konflikt auf Zypern jeden Tag. Hier die Griechen, drüben die Türken. Mitten auf dem Marktplatz steht eine Mauer, davor Soldaten. Schlimmer als die Mauer in Berlin.

Daran gewöhnen Sie sich?

Ja, irgendwie schon. Das ist traurig. Aber ich lebe schon so lange auf Zypern …

… Sie sind sogar eingebürgert.

Ja. Meine Frau ist Zypriotin, meine Tochter ist gerade vier Jahre alt geworden. Ich bin sogar seit kurzem zypriotischer Nationalspieler.

Wie viele Länderspiele haben Sie denn für Zypern bestritten?

Bislang nur eins. In der EM-Qualifikation gegen Frankreich, vor einem Monat. Wir haben geführt, aber 1:2 verloren.

Und Sie haben das Tor erzielt?

Nein. Ich habe die Vorlage gegeben.

Das Gespräch führte André Görke.

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