Sport : Das spannendere Fernsehduell

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Benedikt Voigt über den Unterschied, den 90 Minuten ausmachen können

Dienstagabend, 18.00 Uhr in Stuttgart: Vor dem ortsansässigen Verein für Bewegungsspiele, kurz VfB, türmen sich die Probleme. Dem Fußballklub fehlen 5,3 Millionen Euro an Fernseheinnahmen, was nicht gut ist, weil der VfB Stuttgart bereits mit 20 Millionen Euro verschuldet ist. Was auch nicht gut ist: Der Hauptsponsor überlegt, zum Saisonende auszusteigen, und Mittelfeldspieler Krassimir Balakow besitzt einen Vertrag über 3 Millionen Euro pro Jahr, der sich von selbst verlängert, wenn er die ausreichende Fitness nachweisen kann. Dieser Rentenvertrag rührt noch aus Zeiten, als Gerhard Mayer-Vorfelder Präsident beim VfB Stuttgart war. Apropos Mayer-Vorfelder: Vor dem UI-Cup-Finale gegen den OSC Lille tauchen neue Vorwürfe gegen den jetzigen DFB-Präsidenten auf, er solle beim VfB Stuttgart Spielertransfers nicht rechtmäßig abgewickelt haben. Und apropos UI-Cup-Finale: Stürmer Sean Dundee meldet sich vor dem bislang wichtigsten Saisonspiel verletzt.

Dienstagabend, 19.50 Uhr in Stuttgart: Die Spieler des VfB Stuttgart stülpen sich weiße T-Shirts über, darauf steht: „Europa wir kommen“. Trainer Felix Magath sagt: „Nichts gegen die Herren Schröder und Stoiber und ihr großes Duell vor laufenden Kameras – aber unsere Fernsehunterhaltung war doch um einiges spannender.“ Nach einem dramatischen 2:0 qualifizierte sich sein Klub nicht für das Kanzleramt, doch im Uefa-Cup sind die Stuttgarter nun dabei. Jetzt träumt der Trainer vom FC Chelsea – als nächstem Gegner. „Mitten in London, das wäre doch ein Ding.“ Manager Rolf Rüssmann träumt ebenfalls, und zwar vom großen Geld. „So ernüchternd wie das Fernsehhonorar diesmal noch war, bin ich gespannt, wie es jetzt weitergeht.“ Ganz plötzlich scheint auch eine Vertragsverlängerung mit dem Hauptsponsor realistisch. Immerhin ist der VfB Stuttgart international vertreten. Und jetzt, da alles gut wird, steht sogar eine Klärung der Altlast Mayer-Vorfelder in Aussicht. Auf der Hauptversammlung am 29. Oktober möchte der Verein über die weitere Vorgehensweise in diesem Fall abstimmen. Möglicherweise wird ein Rechtsanwalt eingeschaltet. Vielleicht aber auch nicht. „Dann machen wir einen Haken, und es belastet uns nicht mehr“, sagte Rolf Rüssmann.

Nur unter die Schulden lässt sich nicht so einfach ein Haken machen. Aber wenn man die Wunderheilung vom Dienstag zugrunde legt, dürfte sich auch dieses Problem erledigt haben, wenn der VfB Stuttgart noch einmal spielt. Oder zweimal.

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