Sport : Das Spiel der Großen

Jugendfußballer scheitern oft am Sprung zum Profi

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Wer als 15-Jähriger vor mehr als 20000 Zuschauern Fußball spielt, der hat bereits einiges erreicht. „Aber er hat auch noch einen weiten Weg vor sich“, sagt Bernd Stöber, Trainer der deutschen U-16-Nationalmannschaft. Seine Mannschaft spielt heute im Berliner Olympiastadion gegen die Schweiz (11 Uhr). 20000 Zuschauer werden erwartet, „und die haben positive, aber auch negative Auswirkungen auf die Entwicklung der Spieler“, sagt Stöber. Einerseits sei es eine großartige Erfahrung, vor so einer Kulisse zu spielen. „Andererseits laufen die Spieler Gefahr, nach so einem Spiel zu glauben, sie hätten bereits alles erreicht. Dabei stehen sie erst am Anfang ihrer Karriere.“

Wer von seinen Spielern einmal im bezahlten Fußball ankommen könnte, dazu will der Bundestrainer keine Prognose abgeben. „Mit solchen Vorhersagen bin ich sehr vorsichtig geworden.“ Stöber arbeitet seit 1987 beim DFB, seit gut vier Jahren trainiert er die U 16. Seine 15 Jahre alten Spieler stecken noch in der körperlichen Entwicklung. „Es kann sein, dass ein Junge jetzt frühreif ist und stark spielt, sich dann aber körperlich nicht entsprechend weiterentwickelt.“

An der Entwicklung der Talente habe der DFB allerdings ohnehin nur einen kleinen Anteil. „95 Prozent der Arbeit liegt bei den Vereinen“, sagt Stöber. Aus diesem Grund habe der DFB vor vier Jahren einige strukturelle Dinge geändert. Die Jugendarbeit der Bundesligavereine ist seitdem Teil des Lizenzierungsverfahrens der Deutschen Fußball-Liga. Die Bundesligavereine sind zu jugendfördernden Maßnahmen verpflichtet. Seitdem gibt es mehr als 400 so genannte Leistungszentren, in denen Kinder ab zehn Jahren gefördert werden. „Das hat schon einiges bewirkt“, sagt Stöber. „Den U-18- und U-21-Trainern gehen die Spieler aus, weil so viele junge Fußballer schon Profis sind.“

Bernd Stöber freut sich auf das heutige Spiel gegen die Schweiz. Ein gutes Spiel aber mag er den vielen Schulklassen, die ins Stadion kommen, nichts versprechen. Auch das hängt mit der großen Kulisse zusammen. „Die ersten paar Minuten sind entscheidend“, sagt der Bundestrainer. „Wenn die Mannschaft gut ins Spiel findet, dann kann es ein Fußballfest werden. Wenn anfangs aber gleich ein paar Fehlpässe gespielt werden, dann können die Spieler ganz schnell unsicher und ängstlich werden.“ Denn wer blamiert sich schon gern vor 20000 Zuschauern?

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben