Sport : Das Spiel kann beginnen

Festliche Garderobe und Fanschals: Die weltweite Fußball-Gemeinde feiert WM-Auslosung in Leipzig

André Görke[Robert Ide],Stefan Herma

Als Lothar Matthäus um 22.02 Uhr das letzte Los für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zog und ihr Costa Rica als Gegner für das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zuwies, war der Applaus in den Leipziger Messehallen überwältigend. Die deutsche Nationalmannschaft wird bei der WM im nächsten Sommer im eigenen Land außerdem auf Polen und Ekuador treffen.

„Jetzt steigt das Fieber, das ist ein gutes Gefühl“, sagte Bundestrainer Jürgen Klinsmann nach der glanzvollen, weltweit übertragenen Auslosung der Vorrundengruppen am Freitagabend in Leipzig. Das Eröffnungsspiel gegen Costa Rica wird am 9. Juni 2006 in München ausgetragen. Zwei Tage zuvor wird im Berliner Olympiastadion erstmals in der WM-Geschichte eine Eröffnungsgala ähnlich der Olympischen Spiele gefeiert. An gleicher Stelle wird am 9. Juli im Finale der Turniersieger ermittelt. Sollten Deutsche und Brasilianer ihre Vorrundengruppen gewinnen, könnten sie frühestens im Endspiel aufeinander treffen. „Wir werden weit kommen“, prophezeite Bundespräsident Horst Köhler bei seinem Auftritt auf der blau und orange ausgeleuchteten Bühne. Ein großer Wunsch des Bundespräsidenten für die Auslosung ging jedoch nicht in Erfüllung: „Holland. Im ersten Spiel“, hatte Köhler gehofft und dass beide Teams dann gemeinsam eine Runde weiterkommen.

Rekord-Nationalspieler Matthäus hatte gemeinsam mit weiteren Fußballstars wie Johan Cruyff, Roger Milla und Pelé die Kugeln gezogen und den acht Gruppen zugeordnet. Abseits der eher leichten deutschen Gruppe A bewiesen die Fußballstars ein Gespür für großen Fußball. So kämpfen etwa in Gruppe B mit England, Paraguay und Schweden gleich drei starke Teams um die beiden Plätze für die nächsten Runde, mindestens ebenso viel Spannung verspricht die Gruppe C mit Argentinien, der Elfenbeinküste, Serbien-Montenegro und den Niederlanden. In dieser Gruppe wird auch die Neuauflage des Endspiels von 1978 stattfinden: Argentinien gegen die Niederlande. Es wird am 21. Juni in Frankfurt am Main ausgetragen. In der Gruppe F trifft Brasilien auf Japan – die Japaner werden vom früheren brasilianischen Mittelfeldstar Zico trainiert. Das erste WM-Spiel des Titelverteidigers Brasilien findet am 13. Juni im Berliner Olympiastadion statt. Die Selecao trifft dann auf Kroatien. In der Gruppe E dürften sich Italien und Tschechien ein Duell um den ersten Platz liefern.

Die in festlicher Garderobe, aber teilweise mit Fußballschals gekleideten Zuschauer in der Leipziger Messe, in der ein riesiges Fußballstadion für mehrere Tausend Gäste eingerichtet worden war, nahmen die Auslosung gelassen. Sie begleiteten die Show mit enthusiastischem Applaus, besonders als ein lakonischer Episodenfilm des Regisseurs Wolfgang Becker über die Fußballbegeisterung in Deutschland eingespielt wurde. Kolumbiens Rocksänger Juanes sang seinen Hit „La Camisa Negra“, außerdem musizierte die „Junge Deutsche Philharmonie“ mit den talentiertesten Musikhochschülern des Landes. Die Show wurde live in mehr als 160 Länder übertragen. „Es ist unglaublich, was aus dem Fußball geworden ist“, kommentierte WM-Organisationschef Franz Beckenbauer die Show, zu der auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gekommen war. Durch die Auslosung führte mit dem 47 Jahre alten Markus Siegler erstmals der Kommunikationsdirektor des Fußball-Weltverbandes Fifa. Er meisterte seine Premiere mit lässiger Ernsthaftigkeit in mehreren Sprachen.

Die ostdeutsche WM-Stadt Leipzig war die gesamte Woche über Gastgeber einer Tagungswoche der Fifa gewesen. Dabei waren die deutschen Organisatoren wegen Pannen in drei WM-Stadien und wegen Gewaltausbrüchen in der Bundesliga unter Rechtfertigungsdruck geraten. Nicht zuletzt mit der perfekt inszenierten Multimedia-Show konnten sie aber die Zweifel ausräumen. „Ich bin überzeugt, dass die Zwei plus noch zu einer Eins werden wird“, sagte Fifa-Präsident Joseph S. Blatter am Freitagabend in Anspielung auf die Schulnote, die er am vergangenen Montag den deutschen WM-Planern gegeben hatte.

Blatter nannte es etwas Besonderes, in Deutschland mit den „ausgezeichneten, schönen Arenen“ zu spielen: „Kompliment an Deutschland.“ Blatter würdigte die Emotionen, die schon zu spüren seien. Ein halbes Jahr vor Turnier-Eröffnung wollte Fifa-Präsident Blatter auch schon ein Motto vorgeben: „Macht mit unserem Spiel eine bessere Welt.“

Vom kommenden Montag an werden wieder Eintrittskarten für die WM-Spiele verkauft, dabei sollen im Internet etwa 250 000 Tickets angeboten werden. „Ich habe noch kein Ticket“, bekannte die in einem gewagten blauen Kleid auftretende Heidi Klum, die einem besonderen Abend immer wieder eine witzige Note zu geben verstand. Aber schon die Auslosung hatte nach der Einschätzung von Franz Beckenbauer zu einem gelungenen Abend ausgereicht: „Es können alle zufrieden nach Hause gehen.“

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