Das Spiel meines Lebens : 26.05.1999 Manchester United – Bayern München 2:1

Für Bayern-Fans ist es bis heute ein unvergessenes Trauma. Auch Moderator Markus Kavka hat die Schmach von Barcelona nach 13 Jahren noch immer nicht verdaut.

Markus Kavka
100 Sekunden fehlten zum Sieg. Manager Uli Hoeneß musste Torhüter Oliver Kahn trösten. Die Niederlage gegen Manchester United schmerzt Bayern Fans bis heute.
Foto: dpa

Noch Wochen später habe ich geträumt, Bayern hätte dieses Spiel mit 1:0 gewonnen. Die beiden Gegentore fanden in meinen Träumen einfach nicht statt. Wir hatten den Pott geholt, endlich, und alle lachten und tanzten und fühlten sich wie Champions. Schnitt.

Ich war auf verschlungenen Wegen doch noch an Karten gekommen. Leider nur für den Block, in dem die Fans von Manchester United untergebracht waren, doch das sollte meine zwei Freunde und mich nicht weiter stören. Denn nach dem frühen Tor von Mario Basler war es für uns eigentlich ein Spiel, dass Bayern nie und nimmer mehr verlieren konnte. Und kurz vor Schluss waren wir uns dann vollkommen sicher: Hier passiert heute nichts mehr.

Inkognito funkelten wir mit den Augen und ballten unsere Fäuste. Dann gab es in der Nachspielzeit diese Ecke. Und dann noch eine. Ich kann bis heute nicht genau sagen, was in diesem Moment, als die beiden Gegentore fielen, mit mir passiert ist. Ich weiß nur noch, dass die englischen Fans um uns herum dermaßen durchdrehten, dass sie reihenweise über unsere Köpfe fielen.

Nach dem Spiel schlichen wir aus dem Stadion und machten uns auf den Weg. Nach irgendwohin. Wir liefen durch die Nacht, und niemand von uns sagte ein Wort. Hatten wir dieses Spiel wirklich verloren? Wir konnten nicht begreifen, was da eben passiert war, und der blühende Schmerz begann sich auszubreiten.

Uns kamen die Tränen. „Warum?“, schluchzte der eine. „Ich weiß es doch nicht“, der andere. Wir liefen und liefen. Und erst als wir in den Betonsiedlungen am Rande der Stadt ankamen, realisierten wir, dass wir umdrehen mussten. Gegen sechs Uhr fielen wir dann endlich in unsere Hotelbetten. Hundemüde und nachhaltig zerstört kauften wir uns vier Stunden später am Flughafen noch eben die Zeitung. Und für einen kurzen Moment fragte ich mich erneut: Hatten wir wirklich verloren? Ich schlug den Sportteil auf und schluckte.

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