• DAS SPIEL MEINES LEBENS: JIMMY HARTWIG: 24. 04. 1982, Bayern München – Hamburger SV 3:4 Jimmy Hartwig, 57, Schauspieler

DAS SPIEL MEINES LEBENS: JIMMY HARTWIG : 24. 04. 1982, Bayern München – Hamburger SV 3:4 Jimmy Hartwig, 57, Schauspieler

Foto: picture-alliance/ dpa

Aufgezeichnet von Andreas Bock.

Ich bin kein Nostalgiker, der an seiner Vergangenheit klebt. Aber ich erinnere mich noch daran, dass mal ein Kumpel vor meiner Haustür stand und ein Videoband in der Hand hielt: „Jimmy, das gucken wir uns jetzt an“, sagte er. Und dann sah ich noch mal meinen Kopfball, den ich dem Walter Junghans zum 1:1 ins Tor zimmerte – wie einen Schuss. Das 4:3 gegen die Bayern war neben dem 5:1 gegen Real Madrid im Europapokal der Landesmeister 1980 das größte HSV-Spiel, das ich je miterlebt habe. Denn nach dieser Begegnung waren wir sicher: Jetzt werden wir Deutscher Meister! Wir sind danach mit so breiter Brust durch die Straßen gelaufen, dass die Fußgänger vor Angst die Straßenseite gewechselt haben. Bis Januar 1983 blieb der HSV ohne Niederlage. Die meisten Gegner hatten die Hosen schon voll, wenn sie nur die Buchstaben H, S und V hörten. Doch zurück zu unserem 4:3-Sieg: Von der ersten Minute an war dieses Spiel ein offener Schlagabtausch. Die Bayern mussten gewinnen, um die letzte Chance auf die Meisterschaft zu wahren. Und die Devise von HSV-Trainer Ernst Happel lautete: Wir wollen an der Tabellenspitze bleiben – und deshalb werden auch wir volle Offensive spielen. Ich hatte vor dem Spiel die Aufgabe bekommen, Bayerns Torjäger Karl-Heinz Rummenigge auszuschalten. Und auch wenn er kein Tor erzielte, lagen wir zur Pause 1:2 hinten. „Ihr Hurensöhne“, schrie Happel in der Kabine, „Jetzt geht’s daher!“ Dann fiel sogar das 1:3. Happel brüllte uns in einem Schwall nach vorne. Dann das Anschlusstor von Thomas von Heesen. Der war damals gerade 20 Jahre alt, und dann marschiert der über den ganzen Platz und hämmert den Ball ins Eck. Wenig später der Ausgleich durch Horst Hrubesch. Doch das reichte uns nicht. In den letzten zehn Minuten rannten wir an. Immer mit dem Zug zum Tor. Oder auf der Suche nach der Holzbirne von Hrubesch. Wie beim Tor zum 4:3 in der 90. Minute. Und Happel holte endlich wieder Luft.

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