Das Spiel meines Lebens : Manchester United – Bayern München 2:1

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Ich war noch nie so aufgeregt gewesen wie vor diesem Champions-League-Finale. Auf dem Weg ins Stadion telefonierte ich mit meiner Familie. Ich musste irgendwie auf andere Gedanken kommen. Auf dem Parkplatz vom Camp Nou konnte ich das Kribbeln dann kaum noch ertragen. Ich dachte die ganze Zeit: Hoffentlich mache ich alles richtig. Erst als Pierluigi Collina das Spiel angepfiffen hatte, löste sich die Anspannung und die Routine setzte ein. Das 1:0 durch Mario Basler spielte uns dann voll in die Karten. Das war ja genau das, was Ottmar Hitzfeld uns vorgegeben hatte: ein frühes Tor, dann gut stehen und auf Konter warten. Unser Plan schien also aufzugehen. Ich hatte auch nie das Gefühl, dass da noch was anbrennen würde, auch nicht als ManU in der Schlussphase mit vier Stürmern auf dem Platz stand. Kurz vor dem 1:1 sagte uns Collina dann, dass er nur noch die Ecke ausführen lassen wolle. Oliver Kahn brüllte ein letztes Mal, zeigte auf die entscheidenden Spieler. Wir hätten den Ball ja auch einfach nur noch rausschlagen müssen, doch dann fiel er Ryan Giggs vor die Füße, ein Schuss, Teddy Sheringham noch dazwischen – und das Ding war drin. Collina pfiff das Spiel noch einmal an. Und wir waren nun wie in Trance, hatten irgendwie abgeschaltet. Erneut Eckball. Und ich wünschte, ich hätte mich etwas weiter ins Tor gestellt, dann hätte Ole Solskjaer mir den Ball vielleicht ins Gesicht geschossen. Doch so wurde es der absolute Tiefschlag. Wir hatten die Krone ja schon in der Hand, und dann wurde sie uns innerhalb von Sekunden wieder entrissen. Ich sackte zusammen und wollte nur noch allein sein. Man zweifelt plötzlich an sich selbst und ob man alles gegeben hat. Fußball ist in dem Moment das alles Entscheidende, es gibt nichts, was so eine Niederlage relativieren könnte. Nach dem gemeinsamen Abendessen bin ich dann sofort ins Bett gegangen und habe mich eingegraben. Immer wieder die gleiche Frage: Warum? Warum? Warum?

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