Sport : Das Spiel seines Lebens

ANDY MURRAY demontiert Roger Federer im Tennis-Finale und schreibt endlich Geschichte.

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Unfassbar. Vor vier Wochen verlor Murray das Wimbledon-Finale gegen Federer – gestern glückte ihm die Revanche. Foto: AFP Foto: AFP
Unfassbar. Vor vier Wochen verlor Murray das Wimbledon-Finale gegen Federer – gestern glückte ihm die Revanche. Foto: AFPFoto: AFP

„Andy, Andy“ hallte es wieder und wieder über den Centre Court, lauter, als man es jemals in Wimbledon gehört hatte. Zwei Asse in Folge hatte Andy Murray gerade ins Feld gedonnert, sich zwei Matchbälle erspielt. Der Jubel auf den Tribünen explodierte förmlich. Murray trat wieder an die Grundlinie, warf den Ball in die Höhe und hämmerte den Aufschlag unerreichbar durch die Mitte. Roger Federer hatte keine Chance. Nicht bei diesem Ball, und nicht im gesamten Endspiel des olympischen Tennisturniers. Murray sank auf den Rasen und schlug die Hände vors Gesicht, er hatte es wirklich geschafft. An jenem Ort, an dem ihm Federer vor vier Wochen eine so schmerzende Niederlage im Finale von Wimbledon beigebracht hatte, war dem Briten die Revanche gelungen.

„Ich bin so glücklich“, stammelte Murray, „das war der größte Sieg meines Lebens.“ Er hatte Federer nicht einfach nur geschlagen. Er hatte die Nummer eins der Welt mit 6:2, 6:1 und 6:4 gnadenlos demontiert. Federer gab zwischenzeitlich neun Spiele in Folge ab. Der 17-malige Grand-Slam-Sieger wollte sich später lieber nicht daran erinnern, ob ihm das schon jemals passiert war. Doch er musste anerkennen, dass Murray eine der besten Leistungen seiner Karriere gezeigt hatte: „Andy hat heute viel besser gespielt als ich, er war absolut souverän“, sagte Federer.

Der Schweizer wirkte etwas müde nach seinem viereinhalbstündigen Halbfinale gegen Juan Martin del Potro. Erst mit 19:17 hatte er den Argentinier niedergerungen, der sich mit einem 7:5 und 6:4-Sieg über Novak Djokovic am Sonntag noch die Bronzemedaille sicherte. Doch es war nicht die körperliche Belastung für den knapp 31-jährigen Federer gewesen. „Das Turnier hat mich emotional ausgelaugt“, sagte er. Schon nach dem Sieg in der ersten Runde sei er den Tränen nahe gewesen, so sehr wünschte er sich eine Medaille im Einzel. Das einzige Kleinod, das seiner illustren Trophäensammlung noch fehlt. Mehr als Silber war nicht möglich, das akzeptierte Federer: „Ich bin so stolz und glücklich, ich habe alles herausgeholt, was möglich war.“

Murray spielte dagegen wie beseelt. Es scheint, als habe er sich mit dem Gewinn der Goldmedaille von einer schweren Bürde befreit. Vier Mal war er in einem Grand-Slam-Finale gescheitert. In Wimbledon spürt Murray die Erwartungen der Briten stets besonders schwer auf seinen Schultern, denn auf ihn fokussiert sich alles. Bei Olympia war das anders, Murray war nur einer von vielen Hoffnungsträgern. „Es hat gut getan, dass sich mal nicht alles nur um mich drehte“, sagte Murray, der erste britische Tennisspieler mit Einzel-Gold seit Josiah Ritchie 1908.

Beinahe hätte Murray gleich noch eine zweite geholt. Doch mit seiner Partnerin Laura Robson verlor er am Abend das Mixed-Finale gegen die Weißrussen Victoria Asarenka und Max Mirnji nach Match-Tiebreak mit 6:2, 3:6, 8:10.

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