• Das Sportjahr 2015 im Rückblick: Der letzte große Traum von Jürgen Klopp beim BVB

Das Sportjahr 2015 im Rückblick : Der letzte große Traum von Jürgen Klopp beim BVB

Jürgen Klopp verkündete im April seinen Abschied von Borussia Dortmund. Er hatte noch ein großes Ziel mit dem Klub.

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Das verflixte siebte Jahr. Jürgen Klopp wird Dortmund nach dem Ende der Saison verlassen. Als sein Nachfolger wird Thomas Tuchel gehandelt. Foto: Cathrin Müller/M.i.S.
Das verflixte siebte Jahr. Jürgen Klopp wird Dortmund nach dem Ende der Saison verlassen. Als sein Nachfolger wird Thomas Tuchel...Foto: Cathrin Müller/M.i.S.

Ach ja, Berlin ... einmal noch nach Berlin, zum Pokalfinale ins Olympiastadion und dort natürlich gewinnen, dann zurück im Triumphzug nach Dortmund ... „Noch einmal mit dem Lastwagen um den Borsigplatz fahren“, sagt Jürgen Klopp, „das wäre ziemlich lässig.“

Ziemlich lässig. Das trifft nicht ganz die Gemütslage an diesem Mittwoch in jenem Teil des Ruhrgebiets, der sich dem Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund verpflichtet fühlt. Aus und vorbei. Am frühen Nachmittag erlangt ein Gerücht Nachrichtenstatus. Ein Gerücht, das seit Stunden durch die sozialen Medien geistert und das schwarz-gelbe Dortmund komplett schwarz einfärbt. Eine Stadt trägt Trauer. Jürgen Klopp wird in der kommenden Saison nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund sein. Der Mann, der den Verein neu erfunden hat, der dem Fußball in den vergangenen Jahren ein Stück Romantik zurückgegeben hatte, die Gewissheit, dass auch in Zeiten des globalisierten Kommerzfußballs die schwerreichen Bayern zu schlagen sind, und das sogar nachhaltig.

Zweimal in Folge hat Klopp seine Mannschaft zur Deutschen Meisterschaft geführt, der von ihm gepredigte überfallartige Tempofußball war ein paar Jahre Gegenstand philosophischer Abhandlung in den Feuilletons, und das nicht nur in Deutschland. Und jetzt hört er auf. Einfach so. Nach einem weniger guten Jahr und einem schlechten, das noch nicht ganz zu Ende ist. Klopp hat zwar noch einen bis ins Jahr 2018 datierten Vertrag, aber er mag ihn nicht erfüllen. Eine Ära geht zu Ende und mit ihr verabschiedet sich eine Figur, die die Bundesliga so stark geprägt hat wie lange niemand.

Als bei der Pressekonferenz die letzten Blitzlichter zucken und langsam Ruhe einkehrt im Auditorium, ergreift Hans-Joachim Watzke das Wort. Der Geschäftsführer wirkt ernst, mit schmalen Lippen und leerem Blick versucht er, den richtigen Ton zu treffen, es gelingt ihm nicht „Ich bin heute sehr angefasst“, sagt Watzke, „da können Sie sich sicher sein!“

Trainer und Geschäftsführer sind den Tränen nahe

Beide Seiten seien in gemeinsamen Gesprächen zu der Entscheidung gelangt, „dass der unglaublich erfolgreiche Weg, den wir in den letzten sieben Jahren gemeinsam gegangen sind, zu Ende ist“, sagt Watzke. Der Mann ist ein Selfmade-Millionär, er hat den vor der Insolvenz stehenden Verein saniert und wird gern als der starke Mann der Borussia bezeichnet. In diesem Augenblick aber fürchten viele in dem mit Reportern, Kameraleuten und Fotografen überfüllten Saal, der starke Mann werde gleich anfangen zu weinen. Er steht auf, dreht sich nach links, umarmt seinen Trainer und mag ihn gar nicht mehr loslassen. Immer wieder hat er erzählt, Jürgen Klopp sei unkündbar. Jetzt hat der sich selbst gekündigt.

Dann ist Klopp dran. Er schluckt und räuspert sich und versucht in Worte zu kleiden, was ihm vielleicht schon seit Tagen, Wochen, Monaten durch den Kopf geht. Er habe zuletzt nicht mehr das Gefühl gehabt, der perfekte Trainer für Borussia zu sein, erklärt Klopp. Eine Feststellung, die unendlich schwer fällt, „aber man ist Profi und muss so eine Entscheidung treffen“. Er sagt „man“ und nicht „ich“, und es wirkt ein wenig so, als distanziere Klopp sich von sich selbst.

Borussia Dortmund, jener Verein, der unter Klopp nach seiner Beinahe-Insolvenz einen beispiellosen Aufstieg erlebte, durchleidet schwere Zeiten. Investitionen von rund 70 Millionen Euro in neue Spieler sind wirkungslos verpufft, nach 19 Spieltagen taumelte der einstige Riese sogar als Tabellenletzter durch die Bundesliga. Die akute Abstiegsgefahr ist mittlerweile zwar gebannt, doch immer wieder erlebt die Borussia Rückschläge, die sich keiner erklären kann, nicht mal der rhetorisch so versierte Klopp.

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