Sport : Das stürmische Dreieck

Hertha hat in der Offensive keine Probleme mehr: Pantelic, Rafael und Marcelinho spielen gut zusammen

Michael Rosentritt

Berlin - Nando Rafael schnappte sich einen Berg Wäsche und schleppte ihn an mehreren hundert Fußballfans vorbei ins Vereinsheim der kleinen Hertha. Im Stadion des Berliner Verbandsligisten Hertha 03 Zehlendorf ging es gestern um einen guten Zweck. Da Rafael nicht mittun konnte im Benefizspiel zwischen dem Oberligisten Tennis Borussia und dem Bundesligisten Hertha BSC zu Gunsten der Aktion „Gemeinsam gegen Gewalt“, machte sich der Stürmer anderweitig nützlich. Er transportierte die Trainingssachen seiner Mitspieler in die Kabine. Am Tag zuvor war der 21-Jährige im Olympiastadion gefeierter Torschütze beim 3:0 über den 1. FC Kaiserslautern.

Der andere Hauptdarsteller des Vortags, Rafaels Sturmpartner Marko Pantelic, schrieb gestern zahllose Autogramme. Der Serbe mit der Indianerfrisur ist nach wenigen Wochen heimisch geworden in der Stadt. Da er seit Wochen für Bundesligaspiele fit gespritzt wird und gestern geschont wurde, hätte er auch zu Hause bleiben können, aber genau das wollte der 27-Jährige nicht. „Der Termin heute war mir wichtig“, sagte Pantelic. Knapp 2000 Zuschauer waren zum Zehlendorfer Ernst-Reuter-Sportfeld gekommen. Hintergrund des Engagements der Fußballer war der Mord an einem siebenjährigen Schüler in Zehlendorf, den ein 16-Jähriger im August begangen hatte. Die Einnahmen kommen dem Verein „Zephir e.V.“ zugute, der sich um sozial gefährdete Jugendliche kümmert. Und so nutzte Herthas neues Sturmduo den Sonntag auch zur Kontaktpflege mit dem Publikum. Die zumeist jungen Fans riefen ihre Namen und durften ihre Idole anfassen. Das Spielchen gegen den Rivalen vergangener Jahre gewann Hertha auch ohne sie.

„Das Wichtigste an Marko ist, dass er Tore schießt“, aber er habe auch ein Gefühl für die Zuschauer, sagte Hoeneß: „Wir brauchen solche Typen, damit sich die Mannschaft weiterentwickelt.“ Der sportliche Nutzwert ist deutlich erkennbar, deshalb treiben Manager und Trainer die Integration des Serben voran. „Er bringt Qualitäten mit, die uns bisher gefehlt haben“, sagt etwa Abwehrchef Dick van Burik: „Er ist ein Siegertyp, und das strahlt er aus.“ Hertha hat Pantelic bis Saisonende für 250 000 Euro von Roter Stern Belgrad ausgeliehen und besitzt eine einseitige Kaufoption für drei Jahre. „Im Frühjahr fällt die Entscheidung“, sagt Hoeneß, der insgeheim auf eine Zugabe spekuliert. Sollte nämlich Pantelics früherer Verein die derzeit laufende Gruppenphase des Uefa-Cups nicht überstehen, könnte der Serbe sogar für die Berliner noch international spielen. Vorausgesetzt, Hertha erreicht die nächste Europapokalrunde. Dort darf ihn Hertha bislang nicht einsetzen.

Gegen Kaiserslautern hatte Marko Pantelic sein viertes Tor für Hertha erzielt und anschließend den Treffer von Nando Rafael mit der Hacke vorbereitet. Marcelinho hatte Hertha gegen die Pfälzer in Führung gebracht. „Das Zusammenspiel zwischen Nando, Marcello und mir hat sehr gut geklappt“, sagte Pantelic. Manager Dieter Hoeneß freute sich über das torgefährliche Dreieck. Mit der Verpflichtung des Stürmers von Roter Stern Belgrad hat das Offensivspiel der Berliner an Variabilität und Durchschlagskraft gewonnen. Die chronische Sturmschwäche ist überwunden. Hoeneß spricht von zwei wesentlichen Effekten des Transfers. „Wir haben die Diskussion um die Sturmmisere wegbekommen und damit auch Alibis.“ Die Verpflichtung Pantelics wirkt aber auch nach innen. „Nando profitiert davon, dass er nicht mehr im Fokus der Öffentlichkeit und damit unter Druck steht“, sagt Hoeneß.

In den Hintergrund getreten ist die angestrebte Verpflichtung von Roque Santa Cruz. Der Stürmer des FC Bayern, um den sich Hertha im Sommer sehr bemüht hatte, wird vermutlich in München verlängern. Dafür hielt der Manager des FC Bayern gestern einen kleinen Trost bereit. Die Rostbratwürste der Benefizveranstaltung, so stand es geschrieben, waren „sponsored by Uli Hoeneß“.

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