Sport : Das Suchspiel

Auch vor dem sechsten Saisonspiel beim HSV hat Herthas Trainer Götz seine Stammelf nicht gefunden

Friedhard Teuffel

Berlin - Wenn die Fußballprofis von Hertha BSC an diesem Sonntag beim Hamburger SV antreten, wird es für ihren Trainer Falko Götz wieder ein Suchspiel. Götz hat nämlich immer noch nicht die Aufstellung gefunden, die für ihn den größten Erfolg verspricht. Oft schon hat er in dieser Bundesligasaison seine Formation verändert und damit doch immer dasselbe Ergebnis erreicht: ein Unentschieden.

Sicher könnte Götz seine permanente Wechslerei auch als Flexibilität verkaufen. Er passe sich mit verschiedenen Aufstellungen der unterschiedlichen Spielweise der Gegner an. Doch bisher hat er damit noch nicht gewonnen und die Mannschaft offenbar verunsichert. Seine Personalpolitik rief gerade nach dem Ausscheiden im DFB-Pokal bei Eintracht Braunschweig Verwunderung hervor. Auf fünf Positionen hatte Götz die Mannschaft gegenüber dem Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart verändert. „Unser Selbstbewusstsein ist nicht besser geworden“, sagte daraufhin Thorben Marx, der bei der Pokalniederlage gegen Braunschweig zunächst auf der Bank saß.

Nach dem Spiel standen außerdem zwei Aussagen gegeneinander. Götz begründete seine Aufstellung damit, die besten Leute eingesetzt zu haben. Aus der Mannschaft hieß es jedoch, Götz habe den nicht berücksichtigten Spielern gesagt, er hätte sie für das Spiel gegen den Hamburger SV (17.30 Uhr, live bei Premiere) geschont.

Manager Dieter Hoeneß hat vor dem Spiel beim HSV nun gesagt: „Wir müssen der Mannschaft Zeit geben, um sich zu finden.“ Aber wie soll der Mannschaft das gelingen, wenn sie jedes Mal in einer anderen Formation spielt? Öffentlich äußere er sich grundsätzlich nicht zu Fragen der Taktik und der Aufstellung, sagt Hoeneß. Doch nach dem Scheitern im Pokal sagte er: „Mir fehlt jedes Verständnis dafür, dass wir heute so offen gespielt haben.“ War das etwa nur Kritik daran, wie die Spieler Götz Vorgaben umgesetzt hatten und nicht auch Kritik an Götz selbst?

Der Trainer muss sich weiter an seinem Vorhaben messen lassen, attraktiven und offensiven Fußball spielen zu lassen. Damit hat er sich selbst unter Druck gesetzt. Gerade nach dem 1:1 im eigenen Stadion gegen Aufsteiger Mainz 05 musste Götz viel Kritik über sich ergehen lassen. Er hatte sechs defensive Spieler aufgeboten und dem Gegner das Pressing überlassen. „Das Problem ist, dass es eine gewisse Verunsicherung in der Mannschaft gibt“, sagt Götz. Vielleicht hat er dazu seinen Teil beigetragen.

Götz muss sein Personal nun nicht nur nach spielerischen Fähigkeiten, sondern auch nach der mentalen Verfassung auswählen. Er spricht jetzt verstärkt von charakterstarken „Typen“, die der Klub brauche, um Erfolg zu haben. Und er sagt: „Wir wollen uns für unseren Aufwand belohnen.“ Weil die Saison und ihre Tabelle noch so jung sind, kann das Ergebnis des heutigen Spiels einiges bewirken. Mit einem Sieg könnte Hertha auf Platz sechs vorrücken. Eine hohe Niederlage dagegen könnte sie auf den letzten Platz zurückwerfen.

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