Sport : Das System Emil Beck ist zerschlagen (Kommentar)

Sebastian Arlt

12 000 Mark Geldbuße - Emil Beck ist glimpflich davongekommen. Wegen Anstiftung zum Betrug im Zusammenhang mit Fördermitteln muss der Leiter des Fechtzentrums Tauberbischofsheim diesen Betrag bezahlen. Der 64-Jährige hat eingewilligt, "damit wieder Ruhe im Fechtzentrum einkehrt". Er selbst wird keine Ruhe mehr finden. Der gelernte Friseur ist ein gebrochener Mann, der nicht verstehen kann und will, warum sich alle von ihm abgewendet haben. Vom ihm, der in den vergangenen drei Jahrzehnten deutsche Fechter zu etwa 170 Medaillen bei Welt- und Europameisterschaften sowie Olympischen Spielen geführt hatte. Sein letztes Gefecht hat Beck längst verloren, selbst wenn er erst am 31. Juli seinen Posten in Tauberbischofsheim aufgeben wird. Die Ära Beck ist beendet. Das System Beck ist zerschlagen.

Der König vom Taubertal, der seine ersten Fecht-Lektionen vor 40 Jahren in einem Heizungskeller gab, hat sich immer mehr verheddert im Geflecht von Posten und Ämtern. Getrieben vor allem von der Gier nach Macht und Einfluss. Der Potentat hatte Amigos aus Politik und Wirtschaft um sich geschart. Eine Seilschaft, die lange hielt und bis ins Bundesinnenministerium reichte, wo die Fördermittel-Brünnlein stets sprudelten.

Doch dann kam vieles zusammen: Von ihm geknechtete Sportler und Trainer muckten endlich auf, das Finanzgebaren der "Firma" Beck wurde gründlich durchleuchtet, zudem spülte die politische Wende den einen oder anderen Amigo weg. Jetzt wäscht im Taubertal nicht mehr eine Hand die andere. Zurückgeblieben ist ein kleiner alter Mann, der seine Lebensleistung selbst zerstört hat.

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