Sport : Das Team bröckelt

Albas Basketballer haben im Spiel gegen Frankfurt große personelle Probleme

Helen Ruwald

Berlin - Der Kader auf der Homepage von Alba Berlin liest sich vielversprechend. Und vor allem: Die Liste ist lang. 14 Spieler sind dort zu finden, und darunter sind keine Karteileichen. Jovo Stanojevic, der den Klub unlängst im Unfrieden verlassen hat, ist bereits aussortiert. Doch 14 Basketballer sind es in der Theorie, die Praxis sieht vor dem heutigen Bundesligaspiel gegen die Skyliners Frankfurt (heute 17 Uhr, Max-Schmeling-Halle) anders aus. „Ich erwarte ein letztes Aufbäumen. Die Mannschaft ist in einem Zustand, dass man froh über die anstehende Pause und das Trainingslager ist. Neben den Verletzten gehen einige auf dem Zahnfleisch“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi vier Wochen vor Beginn der Play-offs. Weil Alba das Pokal-Final- Four verpasst hat, hat die Mannschaft zwei Wochen spielfrei und wird sich in Tunesien auf den Endspurt vorbereiten. Schließlich zählt für den Tabellenführer der Bundesliga nur der Meistertitel. Erstmals seit 2003 soll ihn Alba wieder gewinnen, dafür wurde ein neues Team zusammengestellt.

Ein Team, das kurz vor der wichtigsten Phase der Saison immer mehr auseinander bröckelt. Beim Tabellenzweiten Ludwigsburg (62:84) erlebte Alba im letzten Viertel ein Debakel. Mangelnden Erfolgshunger nach neun Siegen hintereinander machte Spielmacher William Avery als Grund für den Einbruch aus. Doch nicht nur psychisch, auch physisch stimmt einiges nicht. Ein Leistungsträger nach dem anderen fällt verletzt aus oder befindet sich in einer Schaffenskrise. Kirk Penney und Nenad Canak wurden am Freitag an der Leiste operiert und werden vier beziehungsweise sechs Wochen fehlen. Avery (Patellasehnenprobleme) schleppt sich seit Wochen von Spiel zu Spiel. Nationalspieler Demond Greene wird nach seinem Wadenbeinbruch in absehbarer Zeit sein Comeback geben, doch Wunderdinge sind von ihm nach viereinhalb Monaten Pause ebenso wenig zu erwarten wie von Philip Zwiener, der zweieinhalb Monate wieder zum Kader gehört.

Auf der Bank dürften heute nur zwei Spieler sitzen, die weder angeschlagen noch hoffnungsvolle Nachwuchsleute sind: Der zwar erst 20 Jahre alte, aber schon sehr abgeklärte Nicolai Simon und Ruben Boumtje-Boumtje. Neben ihnen werden Avery, Zwiener und Yannick Evans (20) sitzen, vielleicht Oskar Faßler (18), wenn er seine Grippe auskuriert hat – und sofern die drei Letztgenannten nicht Sonntag für TuS Lichterfelde im Abstiegskampf der Zweiten Liga auflaufen müssen.

Weitere Probleme kommen hinzu. Julius Jenkins etwa spielte brillant und vertrat Avery gut, bis er Ende März eine Halswirbelstauchung erlitt. Seinen alten Rhythmus hat er noch nicht wiedergefunden. Fast alles hängt bei Alba derzeit von Sharrod Ford und Chris Owens ab, die souverän punkten. Für die Spieler, die nun aus der Not heraus längere Spielzeiten bekommen, „ist es eine Bewährungsmöglichkeit. Für den Einzelnen ist es eine tolle Situation“, sagt Marco Baldi. „Jetzt kann sich jemand in den Vordergrund spielen.“

Immerhin sind auch bei Frankfurt zahlreiche Spieler verletzt, ihr Topscorer Travon Bryant ist nach einem Faustschlag gegen einen Leverkusener bis zum Saisonende gesperrt. Frankfurt, von Alba im Pokal-Viertelfinale mit 83:49 gedemütigt, hat die Play-offs verpasst – insofern klagt der Tabellenführer auf hohem Niveau. Auf jeden Fall sollten die Berliner heute leichteres Spiel haben als im Play-off-Viertelfinale. Mit den möglichen Gegnern Quakenbrück, Leverkusen und Oldenburg hatte Alba in der Vergangenheit einige Mühe. Dass sie nicht zum Stolperstein werden, dazu soll in Tunesien die Grundlage gelegt werden. „Wir haben einen Ort gesucht, an dem die Sonne scheint und wo wir uns als Mannschaft finden können“, sagt Trainer Henrik Rödl. Welche Mannschaft auch immer.

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