Sport : Das Textilvergehen

Manfred Amerell

erklärt, warum die Gelb-Rote Karte für Ismael richtig war 42. Minute beim Bundesliga-Eröffnungsspiel in München: Bayerns Verteidiger Valerien Ismael wird von Oliver Neuville überlaufen. Der Verteidiger greift zum Trikot des Gladbachers, der spektakulär zu Boden geht. Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigt dem bereits verwarnten Ismael Gelb-Rot. War das angemessen, Herr Amerell?

Der Schiedsrichter hat völlig richtig entschieden. Neuville war auf dem Weg in den Strafraum, Ismael hatte keine Chance mehr, den Ball zu spielen, und hat sich dann eines sehr wirkungsvollen taktischen Fouls bedient. Dafür muss es die Gelbe Karte geben. Natürlich war das Foul nicht besonders spektakulär, für die Zuschauer mag die Verwarnung daher übertrieben erscheinen. Ich behaupte mal, dass sich niemand über die Gelbe Karte aufgeregt hätte, wenn Ismael seinen Gegenspieler abgegrätscht hätte. In der Konsequenz macht das keinen Unterschied. Seine Methode war zwar unauffällig, aber sehr wirkungsvoll. Ismael hatte bei dieser Aktion nur eines im Sinn, nämlich den Gladbacher Spieler am Eindringen in den Strafraum zu hindern. Da das auf regelkonforme Weise nicht mehr möglich war, hat er das Problem eben anders gelöst. Da hat der Schiedsrichter gar keinen Ermessensspielraum. Für so ein Textilvergehen hätte es auch bei einer beliebigen Szene im Mittelfeld die Gelbe Karte geben müssen. Mir ist schon klar, dass so etwas in der Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutiert wird. Der Franz Beckenbauer hat mir schon in der Halbzeit gesagt, dass er den Platzverweis für übertrieben hält. Das ist mir egal, jeder darf seine Meinung haben. Es müssen nicht immer alle mit den Entscheidungen des Schiedsrichters einverstanden sein, sonst wäre der Fußball ja langweilig. Tatsache ist, dass die Schiedsrichter die Regelexperten sind, sie treffen die Entscheidungen. Wenn sie dabei immer so regelsicher sind wie Manuel Gräfe am Freitag, können wir sehr zufrieden sein.

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