Sport : „Das Theater in München tut er sich nicht lange an“

Olaf Thon wundert sich über die Verhaltensregeln der Bayern-Fans für Manuel Neuer

Olaf Thon, 45, spielte von 1983 bis 2002 für Schalke 04 und Bayern München in der Bundesliga. Seit 2010 arbeitet er als Trainer beim Fünftligisten VfB Hüls. Foto: p-a
Olaf Thon, 45, spielte von 1983 bis 2002 für Schalke 04 und Bayern München in der Bundesliga. Seit 2010 arbeitet er als Trainer...Foto: picture alliance / M.i.S.-Sportp

Olaf Thon, die Schickeria, eine kleine Gruppe meinungsstarker Bayern-Fans, akzeptiert den Wechsel von Manuel Neuer noch immer nicht. Hat es so etwas schon einmal gegeben in der Bundesliga?

Nein, in dieser Form ganz sicher nicht. Es ist ein erbitterter Kampf zwischen Uli Hoeneß und der Schickeria, der auf dem Rücken von Manuel Neuer ausgetragen wird. Manuel ist jetzt einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.

Sie gehörten auch zur Schalker Mannschaft, als Andreas Möller von Borussia Dortmund verpflichtet wurde. Wie groß waren damals die Aversionen des eigenen Anhangs?

Das war auch eine sehr harte Nummer. Einmal haben die Fans den ganzen Mannschaftsbus zum Schaukeln gebracht. Dieser Wechsel wurde noch emotionaler behandelt, aber er war auch viel schneller wieder erledigt.

Nun hat sich Neuer mit Vertretern der Schickeria getroffen und zugestimmt, künftig nicht in die Kurve zum Jubeln zu gehen. Sie selbst wechselten 1988 auch von Schalke 04 zum FC Bayern. Welche Verhaltensregeln wurden Ihnen diktiert?

Das waren ja ganz andere Voraussetzungen. Ich bekam keine Regeln vorgeschrieben. Aber ich war sowieso kein Spieler, der immer in die Kurve gelaufen ist. Von daher hätten mich diese Regeln auch gar nicht so hart getroffen.

Nach wie vielen Jahren darf man als neuer Spieler das Vereinswappen küssen?

Manchmal gehen die Emotionen eben mit einem durch, dann macht man das vielleicht schon im ersten Training. Aber aus Freude, nicht weil man dokumentieren will: So, jetzt bin ich einer von euch.

Die Verantwortlichen des FC Bayern München sind in einer ersten Reaktion auf die Südkurve zugegangen. War es vielleicht ein Fehler, diesem Thema so viel Platz einzuräumen?

Man kann vor einem solchen Thema nicht einfach davonlaufen oder es aussitzen. Der Verein musste sich damit auseinandersetzen. Für mich ist es unvorstellbar, dass die Fans einem Spieler verbieten, in die Kurve zu kommen. Ich hoffe immer noch, dass das Ganze nur ein Scherz ist.

Wie viel Schuld an der heutigen Situation trägt ein Louis van Gaal, der sich öffentlich gegen eine Verpflichtung von Manuel Neuer aussprach und gleichzeitig einen Thomas Kraft aus den eigenen Reihen etablierte?

Mit Louis van Gaal fing das alles an. Das hat er dem Uli Hoeneß schön eingeschenkt. Ich bin mir sicher, dass er das ganz bewusst gemacht hat. Das war die Retourkutsche auf die öffentliche Kritik an seiner Arbeit.

Was glauben Sie, wie wird das Kapitel FC Bayern München für Manuel Neuer ausgehen?

Dieser Aufstand der Fans ist ja noch lange nicht vorbei, das wird in die nächsten Runden gehen. Ich könnte mir sehr wohl vorstellen, dass Manuel deswegen in einem halben Jahr zu Barcelona oder zu Manchester geht, wo ihm die Fans zu Füßen liegen würden. Warum sollte er sich dieses Theater in München auch länger antun?

Wäre denn auch eine Rückkehr zu Schalke 04 denkbar? So wie Lukas Podolski von Bayern München wieder zum 1. FC Köln wechselte?

Das sind ja ganz andere Vorzeichen. Er kann seine Karriere meinetwegen gerne bei Schalke ausklingen lassen. Aber Manuel ist der beste Torhüter der Welt. Und Podolski ist nur ein guter Stürmer mit einem linken Fuß.

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