Sport : Das Titeltor

Borussia Dortmund besiegt Bayern München 1:0 und sichert sich wohl vorzeitig die Meisterschaft.

von
Mit dem Rücken zum Tor. Robert Lewandowski (Mitte) braucht gar nicht hinzusehen, bevor er mit der Hacke das Siegtor für Borussia Dortmund erzielt. Foto: Reuters
Mit dem Rücken zum Tor. Robert Lewandowski (Mitte) braucht gar nicht hinzusehen, bevor er mit der Hacke das Siegtor für Borussia...Foto: REUTERS

Seine Hand ging zur Brust, mehrfach klopfte sich Jürgen Klopp darauf, während um ihn herum das Stadion toste und bebte. Die Dortmunder Fans schrien ihren Siegesjubel heraus, Trainer Klopp machte ein Klopfzeichen, „weil wir alle ein bisschen verknallt in diesen Verein sind“. Die Liebe ist gerade grenzenlos, sie wächst mit dem Erfolg, und am Mittwochabend hat die Dortmunder Borussia sich ganz dicht an den nächsten, ganz großen Erfolg herangezogen, die Titelverteidigung. Die deutsche Meisterschaft ist nach dem 1:0 (0:0) gegen den Tabellenzweiten Bayern München so nah wie ein Elfmeter.

Für die Münchner dagegen waren elf Meter an diesem Abend eine nicht zu bewältigende Strecke, doch dazu später.

Jürgen Klopp hatte sich vor dem Gipfeltreffen gewünscht, „einen Geräuschpegel zu erleben, der seinesgleichen sucht“. Den bekam er geboten, die phänomenale Kulisse vor 80 720 Zuschauern im ausverkauften Westfalenstadion gab alles, genau wie zwei hoch motivierte Mannschaften, die über 90 Minuten ein Höllentempo vorlegten. Im östlichen Ruhrgebiet feierten sie eine rauschende Party.

„Das war heute Nervenkitzel am Anschlag. Hut ab vor meiner Mannschaft, das kann man nicht viel besser spielen“, sagte Klopp, der schon den Blick auf das Derby am Samstag bei Schalke richtete: „Das wird das nächste Spitzenspiel, unsere Freunde aus Gelsenkirchen wollen uns sicher noch in die Suppe spucken.“

Bayern-Trainer Jupp Heynckes hatte Bastian Schweinsteiger auf die Bank beordert, für den Nationalspieler brachte er Luiz Gustavo und opferte damit ein wenig Kreativität zugunsten von defensiver Stabilität. Die Dortmunder vertrauten auf ihre bewährte Taktik, mit der sie die Bayern zuletzt drei Mal in Folge in die Schranken gewiesen hatten: Auf der rechten Außenbahn bearbeiteten die beiden Polen Piszczek und Blasczykowski den Franzosen Franck Ribéry, auf der linken hatten Schmelzer und Großkreutz den Auftrag, den Niederländer Arjen Robben zu stören.

Das funktionierte zunächst blendend, das Spiel diktierte weitgehend die Borussia. Die Bayern mussten sich strecken, ihre Reihen zu ordnen. Dies gelang vor allem Holger Badstuber, der in der Innenverteidigung überragend agierte. Was dennoch auf das Tor kam, entschärfte Torhüter Manuel Neuer. So wie in der Anfangsphase gegen Großkreutz, als er fantastisch reagierte. Und als auch ihr Torhüter machtlos war, hatten die Bayern Glück: In der 37. Minute schraubte sich Lewandowski nach einer Flanke von Piszczek hoch, sein Kopfball aus sieben Metern klatschte an die Latte.

Und die Bayern? Die bemühten sich redlich, Struktur in ihr Spiel zu bringen, was ihnen im Laufe der ersten Halbzeit immer besser gelang. Wirklich gefährliche Gegenangriffe blieben jedoch Mangelware.

Auch nach dem Seitenwechsel hatte der BVB die erste Chance, aber Kagawas Kopfball aus kurzer Entfernung war eine sichere Beute für Neuer. Bayern wehrte sich, es war ein offener Schlagabtausch. Ribéry hatte die Chance, sein Schuss strich am Pfosten vorbei. Heynckes brachte Schweinsteiger, um die Offensive zu stärken. Die Gäste kamen nun, was auch dem Umstand geschuldet war, dass die Borussia nach einer Stunde ein wenig müde wirkte. Wer würde den ersten Wirkungstreffer setzen, der das Spiel entscheidet?

Es war Lewandowski, der einen Schuss von Großkreutz unhaltbar mit der Hacke verlängerte. Doch das war es noch nicht: In der 85. Minute bekamen die Bayern die Riesenchance zum Ausgleich. Weidenfeller holte Robben von den Beinen. Der Gefoulte trat selbst an, schoss nach rechts – genau in die Arme von Weidenfeller. „Ich bin nicht als Elfmeterkiller bekannt, dafür halte ich die wichtigen“, sagte der Torwart hinterher. Sein Grinsen wäre bestimmt nicht so breit gewesen, hätte Arjen Robben nicht auch seine zweite Großchance vergeben und den Ball aus nächster Nähe über das Tor geschossen. Zwei Lattentreffer auf beiden Seiten bildeten schließlich den fulminanten Schlussakkord im Meister-Showdown. Dortmund flippte endgültig aus, die Stadt darf sich auf die achte Meisterschaft vorbereiten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar